SPIDER-MAN: HOMECOMING

„SPIDER-MAN: HOMECOMING“ von Jon Watts (USA 2016; B: John Francis Daley; Jonathan M. Goldstein; K: Salvatore Totino; M: Michael Giacchino; 134 Minuten); in den USA waren die ersten Einspielergebnisse horrend, mal sehen, wie dies bei uns ab diesem Kino-Donnerstag läuft. Denn sicherlich nicht nur meine erste Reaktion auf die Ankündigung eines „Schon-wieder-Spider-Man“-Movies war: Warum? Was soll das? Beziehungsweise: Es gab doch neulich-erst so viele Vorgänger, was soll es zu dieser populären Comic-Figur aus dem Hause Marvel noch oder wieder neu zu erzählen geben? Nach „Spider-Man“ von 2001 (mit Tobey Maguire/s. Kino-KRITIK) und die Fortsetzungen „Spider-Man 2“ von 2003 (auch mit Tobey Maguire/s. Kino-KRITIK) und „Spider-Man 3“ von 2007 (ebenfalls mit Tobey Maguire/s. Kino-KRITIK), tauchte 2012 Andrew Garfield in und als „The Amazing Spider-Man“ (s. Kino-KRITIK) und 2014 in „The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro“ (s. Kino-KRITIK) auf. Nicht als Fortsetzung, sondern als Reboot; also nicht Fortführung von Geschehenem, sondern als alles nochmal neu und zurück. Von ganz vorne. Geplante weitere Teile 3 (war für 2016 annonciert) und 4 (für 2018) wurden allerdings nicht realisiert.

Stattdessen tauchte 2016 ein Spider-Man-Jüngelchen auf: in Gestalt des am 1. Juni 1996 in London geborenen TOM HOLLAND, mit einem Kurzauftritt in „The First Avenger: Civil War“ 2016 (s. Kino-KRITIK), einem Blockbuster, der mit weltweiten Einnahmen von über 1,1 Milliarden US-Dollar der erfolgreichste Jahresfilm war. Danach kam man auf die glorreiche Idee, eine neue junge Publikums-Generation mit dieser Kino-Comic-Type aufwachsen zu lassen (ähnlich wie die Millennials mit „Harry Potter“). Das bedeutet: Nach Reboot nochmal dasselbe: Reboot. Alles von ganz-ganz vorne. „Spider“ ist nun im „zarten“ Junioren-Alter, als 15jähriger Schüler Peter Parker (TOM HOLLAND), der auf eine Highschool geht.  Peter hat im Moment mehr mit seinen pubertären Emotionen zu tun als mit möglichen heldenhaften Taten und Fights. Will sagen: Er möchte einem Schul-Mädel namens Liz (LAURA HARRIER/im realen Leben: Jahrgang 1990) imponieren, vermag aber der Heimlich-Liebsten dies nicht gerade-heraus mitzuteilen, also sind diesbezügliche „verklemmte Verrenkungen“ zuhauf angesagt. Wie schon, gähn, so oft gehabt. Gesehen. Erzählt bekommen. Erlebt. Während nebenbei mal, aus purem Zeitvertreib, einige „harmlose“ Gute-Taten als Super-Nachwuchs durchgeführt werden (zum Beispiel: Rad- und Handtaschen-Klau). Zugleich hängt Peter viel mit seinem pummeligen Kumpel Ned (JACOB BATALON) herum, einem geschwätzigen Wissenschafts-Nerd, der genauso wie Peter als schulischer Außenseiter von Mitschülern gehänselt wird und der zufällig herausbekommen hat und begeistert ist, was für „tolle Fähigkeiten“ Freund Peter besitzt. Also hängt und labert man unendlich viel herum, während sich im Hintergrund ein neuer Gigant von Schurke in New York gefährlich aufplustert, ein Adrian Jones alias „Der Vogelmann“ (MICHAEL KEATON/der ehemalige Batman), der natürlich nichts Anderes vorhat als die Welt böse aus den Angeln zu heben. Zwischendurch sind immer mal wieder Peters Kontakte mit seinem Helden-Mentor Tony Stark alias „Iron Man“ (ROBERT DOWNEY, Jr.) eingestreut, der dem Jungen hilft, erst einmal seinen „normalen“ Alltag in die Reihe zu bekommen (wie z.B. den Führerschein zu machen) und den „Spider-Man“ vorerst ruhen zu lassen. Was natürlich nicht klappt. Schließlich ist der Spider-Boy neugierig. Und hibbelig. Ob der möglichen (baldigen) Be- und Ausnutzung der gegebenen Super-Kräfte.

Das nunmehr 6. originäre Spider-Man-Movie in diesem Jahrtausend langweilt. Setzt viel auf die verbale Erklärungs- bzw. Unterhaltungs-Schiene, bleibt dadurch viel zu „trocken“ und energielos. „Spider-Man: Homecoming“ zählt zu einem ganz besonders prekären Genre-Spezi, in dem er eine unergiebige, weil entsetzlich-ellenlange Einleitung vorstellt, um dann – nach rund 110 von den 134 Minuten (!) – gleich in Richtung Schluss-Duell zwischen „Spidy“ und „The Vulture“ zu kommen. Bei dem es mächtig düster blitzt und funkelt, aber auch nicht gerade „doll“ aus dem Sessel reißt. Zu sehr dominierte bis dorthin die Gähn-Atmosphäre. Bisweilen unterbrochen von einem Mix mit unterschiedlich spektakulären Effekten und viel Brüll-Trara. Riesige Einleitung, dann der Schluss. Mittenddrin: Ein Mix von nix. Dann endlich „ernsthafte“ Action-Motive. Durch die Peter sozusagen erwachsen wird; verständlich, denn für 2019 ist das Sequel „Spider-Man: Homecoming 2“ angekündigt.

Tom Holland als 21jähriger 15jähriger ist nett anzuschauen; Michael Keaton, der 2014 mit „Birdman“ („Oscar“-Nominierung) ein triumphales Leinwand-Comeback feierte, steckt ihn aber in jedem Auftritts-Moment „in den Profi-Sack“. Obwohl Keaton wenig wirklich hier als Oberschurke aus sich herausgehen, also sich verausgaben braucht; vielmehr bewegt er sich so, als befände er sich mehr zufällig (= routiniert-hohl) denn dämonisch in dieser unerwartet plumpen Kasperle-Version von „Spider-Man“.

In diesem wettermäßig unbeständigen Sommer ist eines Kino-beständig: Die Superhelden-Inflation aus Hollywood in diesen Wochen ist erschreckend, weil überwiegend niveaulos und erbärmlich langweilend; diese Blockbuster-Filme sind oft von sterbenslangweilig bis desaströs. Das neue Spider-Man-Movie ist diesbezüglich keine Ausnahme. Deshalb weiterhin: Die einzige, wahre und sensationelle Ausnahme 2017 bleibt: „Wonder Woman“; aber diesen Hit haben ja auch kreative Frauen geschaffen (= 2 PÖNIs;  für die echten coolen Michael Keaton & Robert Downey Jr.).