Smart People

SMART PEOPLE“ von Noam Murro (USA 2007; 95 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 05.06.2009);
wir holen Luft und „beruhigen“ uns etwas. Neben solchen lautstarken Denk- und Polit-Krachern wie oben gibt es auch genauso spannende, aufregende LEISE amerikanische Spielfilme. Wie hier jetzt, denn „Kluge Menschen“ erinnert in seinem atmosphärischen Seelen-Kharma an schöne wie erfolgreiche Independent-Movies wie etwa „Juno“, „Sideways“ (der Wein-Film) oder das hübsche Familien-Puzzle „Little Miss Sunshine“.

Wir befinden uns heute im gehobenen Bürger-Milieu von Pittsburgh/Pennsylvania. Wo der Literatur-Professor Lawrence Wetherhold den frühen Tod seiner Ehefrau nicht verarbeitet, nicht verkraftet hat. Hinter einer Fassade aus Arroganz und Zynismus pflegt er sowohl seine Studenten wie auch seine beiden halbwüchsigen Kinder permanent zu malträtieren. Außerdem gibt es noch den Adoptivbruder Chuck, der gerade mal wieder „klamm“ ist und sich bei ihm zu Hause gegen seinen Willen eingenistet hat. Selbstmitleid bis zum Überlaufen; ein grimmiger Typ. Emotional völlig „out of order“, bis ein Unfall ihn wieder – mühselig, aber immerhin – doch ins Leben zurückholt. In Gestalt einer früheren Verehrerin, die jetzt als Ärztin arbeitet und ihn beim ersten Date erst einmal als „aufgeblasenen Windbeutel“ benennt. Doch irgendwie hat es ihn „gepackt“, wenngleich nun seine aufgescheuchte Tochter Vanessa dazwischenfunkt. Sie, der auch schon mal ein „gestörtes Sozialverhalten“ attestiert wird, ist ein introvertierter Teenager, der mit unverhohlener Skepsis auf die heimischen Veränderungen blickt. Dabei hat sie plötzlich selbst mächtig damit zu tun, dass ihr der (Adoptiv-)Onkel mehr und mehr „sympathischer“ wird. Was DEN nun, Chuck, mächtig irritiert.

Eine schön-traurig-komische Chaos-Family. Und ihr ganz normaler, alltäglicher seelischer wie emotionaler wie „kultureller“ Wahnsinn. SO ETWAS GUT DURCHZUZIEHEN ist möglich, wenn das Drehbuch funktioniert (scharfzüngige Dialoge und augenzwinkernd-feine Pointen: MARK JUDE POIRIER) und die RICHTIGEN AKTEURE gut geführt mitmischen. Und das Ensemble-hier ist ausdrucksstark: DENNIS QUAID („The Day after Tomorrow“; „Reine Chefsache“) gibt den gestreßten, genervten Intellektuellen-Papa, dessen Melancholie-Befindlichkeiten wieder auf Normaltemperatur gebracht werden müssen; die für ihren grandiosen Hauptrollen-Auftritt in „JUNO“ „Oscar“-nominierte ELLEN PAGE ist die spannende Vanessa-Tochter; SARAH JESSICA PARKER, die berühmte „Sex and the City“-Zicke, sorgt hier prima für den neuerlichen emotionalen Taumel; während THOMAS HADEN CHURCH (der neulich mit seinem Kumpel Paul Giamattis in „Sideways“ für stimmungsvolle, auch „Oscar“-nominierte Macho- & Wein-Laune sorgte) als Adoptivbruder Chuck für die passenden Schräg-Töne in dieser „komischen“ Family zuständig ist. In der es ständig pieksig-kess menschelt.
Die im Vorjahr beim „Sundance Festival“ erstaufgeführte Menschen-Komödie „Smart People“ hat in der kommenden Woche bei uns DVD-Premiere und darf, mit zudem erstklassigem Bonusmaterial (Audiokommentar Regisseur/Drehbuch-Autor; geschnittene wie verpatzte Szenen; Vorstellung beim Sundance Festival…), gerne entdeckt werden   (= 4 PÖNIs).