Sleepless Night – Nacht der Vergeltung DVD-Kritik

Meine Güte, was machen DIE doch in Frankreich wieder für großartige Spannungsfilme. Prächtige Thriller. Dass DIESE kaum einmal die hiesigen Lichtspielhäuser erreichen, ist zwar nicht egal, wird aber dadurch viel ab gemindert, dass wir diese bei uns inzwischen als DVD- (bzw. Blue-ray-)Premieren DOCH sehen, erleben können. Als besseres Heimkino. So wie jetzt wieder bei der deutschen DVD-„Erstaufführung“ von

SLEEPLESS NIGHT – NACHT DER VERGELTUNG“ von Frédéric Jardin (Co-B+R; Fr/Luxemb/Belg. 2011; K: Tom Stern; 98 Minuten; DVD-Veröffentlichung: 5.4.2012).

Der 43jährige Drehbuch-Autor, Regie-Assistent (u.a. bei „Deutschland Jahr 90 Nine Zero“ von Jean-Luc Godard/1991) und Regisseur Frédéric Jardin ist bei uns weitgehend unbekannt. Mit diesem Streifen, für den er, gemeinsam mit Nicolas Saada auch das Drehbuch verfasste, katapultiert er sich sogleich in die vordere Aufmerksamkeitsstufe innerhalb der europäischen Talente für Genre-Knaller. Kein Wunder, dass die Rechte für seinen Film, der unter seinem Originaltitel „Nuit Blanche“ auf dem „Toronto International Film Festival“ Weltstart hatte, umgehend vom US-Multi „Warner Bros.“ für ein englischsprachiges Remake abgekauft wurden.

Ursprünglich waren die Positionen mal SO besetzt: GUT = Polizei/Sheriff, BÖSE = Gangster/Verbrecher. Eindeutig. Diese Figuren-Konstellation gibt es bekanntlich schon lange nicht mehr. Im Film. Längst verwischen sich „solche Merkmale“. Unterschiede zwischen Cops und Schurken ergeben sich oftmals nur noch dadurch, dass einer von Beiden eine Dienstmarke besitzt. Und dies auch weidlich ausnutzt. Für seine persönlichen Zwecke. Wie Vincent. Von der Pariser Polizei. Vincent führt ein „unruhiges“ Doppelleben. Mit einem Kollegen. Zwischen Staatsdienst, Korruption und Drogenhandel. Gerade haben sie wieder einmal „groß abgegriffen“. Doch dann läuft das Überfall-Geschehen auf den Drogentransporter aus dem Ruder. Es gibt Tote. Und einen Überlebenden. Die Chef-Etage der Drogen-Mafia weiß jetzt Bescheid.

Der Boss will den Stoff umgehend zurück. Entführt den Sohn von Vincent. DER will die Beute zurückgeben. Begibt sich mit dem Kokain in eine ebenso riesige wie angesagte großräumige Scene-Discothek. Mit seinen vielen labyrinthartigen Etagen. Und verschiedenen „Event-Räumen“. Wo die Übergabe stattfinden soll. Doch dann kommt Vincent eine „aufgeregte“ Kollegin in die Quere. Die Undercover ermittelt. Sowie ihr Chef. Einem durch und durch genervten wie korrupten Ober-Bullen. Mr. Gier. Höchstpersönlich. Im feinen Zwirn. Die aufregenden Krimi-Weichen sind gestellt. Für einen irren Disco-Western. Als fiebrigen Techno-Thriller. Mit viel „Küchen-Action“. Und heißen Rhythmen. In dem inzwischen überfüllten Laden. Und seinem „flotten“ Party-Gedränge. Wo dann dieser hektische, harte Strudel aus Täuschung, Verrat und Betrug beinahe in Echtzeit abläuft.

„Sleepless Night“ ist ein Rock-Thriller. Als Adrenalin-Food. „Another One Bites The Dust“ drönt „Queen“. „Papa Was A Rolling Stone“ antwortet. Während Vincent sich trickreich bemüht, halbwegs den Überblick nicht zu verlieren. Zuvorderst im Auge: Diese begehrte „Stoff-Tasche“ und sein bedrohter halbwüchsiger Junge. Sowie diese „umfangreiche“ Gegnerschaft. Auch aus den eigenen Reihen. In dieser stickigen Enge. Unter diesem stimmungsgeladenen Disco-Volk. Überfüllte Tanzflächen und dunklen Korridore säumen seinen Weg. Doch „die Hindernisse“ und blutigen Einschläge nehmen zu. Sind immens. Werden immer bedrohlicher. Weil nunmehr quasi Jeder gegen Jeden antritt. Wobei sich die „Amtsträger“ als weitaus „schlimmer“ erweisen als die „eigentliche“ Gegenseite. Noch gemeiner. Brutaler. Gieriger. Ein hämmernder Krimi-Tanz auf dem heißen Unterwelt-Vulkan.

IHN kennen wir schon. Natürlich nicht über das Kino, sondern über zwei exzellente französische Niveau-Krimis, die hierzulande auch gleich „per DVD“ starteten: „Largo Winch“ + „Largo Winch 2“. Von Jerome Salle (s. DVD-KRITIK). Dort mimte der am 14. August 1974 in BERLIN geborene Komiker und Schauspieler TOMER SISLEY auch packend, überzeugend die Titelfigur. Hier düst er als krimineller Polizist Vincent angefressen-wütend und beinhart durch die kriminelle Szene. Muss dabei viel einstecken, bekommt massenweise „was ab“. Bleibt dennoch „wach“. Um weiter herumzurobben. Über die Flure. Durch die Gänge. Räume. Durch das gemeine Volk. Hindurch. Um endlich seinen Sohn erreichen zu können. Befreien zu „dürfen“. TOMER SISLEY als moderner Belmondo. Stark, verletzt, unaufhaltsam. Mit präsenter charismatischer Körperlichkeit. Ein heißer Mittelpunkt–Typ. Inmitten einer vorzüglichen Thrillerei. Voller spannendem Dampf, mit faszinierendem Hardcore-Tempo und vor allem mit diesen beeindruckenden virtuosen Motiven und „power-engen“ Bildern des 65jährigen brillanten kalifornischen Clint Eastwood-Kameramanns TOM STERN („Mystic River“, „Million Dollar Baby“; „Der fremde Sohn“/“Oscar“-Nominierung).

Und, ebenfalls „besonders“ auffallend, für UNS, in einem Klasse-Rotz von atmosphärischem Nebenpart: BIROL ÜNEL als Yilmaz-Begleiter. Handlanger. Wie ein übel gelaunter „Kinski“ lauernd. Herumschwirrend. Ein toller „Fresse-Typ“. Mit viel Paranoia-Charme. Der 50jährige hatte bekanntlich hierzulande seinen großen Durchbruch 2004 als Alkoholiker in Fatih Akins Meisterstück „Gegen die Wand“ („Deutscher Filmpreis“ als „Bester Hauptdarsteller“). Und mischte ja auch 2009 in „Soul Kitchen“ von Fatih Akin prima mit. Hier nun tritt er einmal mehr als Klaus Kinski-2012 ins (noch) Nebenrampenlicht. Irre-gut.

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Anbieter: „Sunfilm Entertainment“