READY PLAYER ONE

„READY PLAYER ONE“ von Steven Spielberg (Co-Produzent + R; USA 2016/2017; B: Eric Eason; Zak Penn; nach dem gleich. Roman von Ernest Cline, 2010; K: Janusz Kaminski; M: Alan Silvestri; 140 Minuten); mit Verlaub und sofort: Dies ist einer der wenigen „unglücklichen“ Werke des Steven Spielberg. Begründung folgt.

530 Seiten umfasst der verschrobene wie erfolgreiche Pop-Roman des amerikanischen Autoren Ernest Cline aus dem Jahr 2010 (bei uns: 2012), der im Demnächst-Jahr 2045 angesiedelt ist. Wo die Welt bereits voll abgekotzt hat. Durch die rücksichtslose Ausbeutung der Ressourcen ist eine globale Energie- und Wirtschaftskrise entstanden, die weite Teile der Menschheit hungern lässt. Die Zivilisation befindet sich in der Auflösung. Allerdings existieren auch hier die extremen sozialen Gegensätze: Während der überwiegende Teil der Homo Sapiens dahinvegetiert, leben einige im Luxus und Überfluss. Der hemmungslose Kapitalismus sorgt(e) dafür, dass sich riesiger Reichtum und beste Güter in den Chefetagen von kriminellen Großkonzernen und bei einigen Privatpersonen befinden.

Was macht man als „Normalo“ in solch einer desolaten täglichen Lebenssituation? Man betäubt sich. Mit der Spiel-Droge. Über die man Zugang zu einer viel besseren Parallelwelt bekommt. Diese virtuelle Welt nennt sich OASIS („Ontologically Anthropocentric Sensory Immersive Simulation“). Man haut sich eine Art „Taucher-Brille“ auf die Augen und schon darf man sich „woanders“ aufhalten und besser fühlen. Eine Alternative zum Aussteigen. Um der miesen Realität zu entkommen und hier in einer neuen, besseren Welt „zu existieren“. Mit Arbeit, Bildung sowie viel taffer Unterhaltung. Erschaffen wurde dieses Paralleluniversum von einem aus einfachen Verhältnissen stammenden einstigen Nerd namens James Halliday (MARK RYLANCE), einem Fan der Popkultur der 1980er Jahre, der damit ein Milliarden-Vermögen machte. Und dessen eigener Konzern bislang jedes Feindliche-Übernahme-Bemühen durch den skrupellosen Multi-Konkurrenten IOI („Innovative Online Industries“) und dessen fiesen, gierigen Boss Nolan Sorrento (BEN MENDELSOHN) abwehren konnte. Jetzt ist Erfinder Halliday gestorben und hinterlässt spielerisch-bizarre Erbe-Anweisungen: Es gilt, in seinem OASIS-System ein „Easter Egg“/ein Oster-Ei zu finden, das er versteckt hat. Wer dieses zuerst aufspürt, kriegt nicht nur das riesige Halliday-Vermögen, sondern bekommt auch die volle Kontrolle über OASIS.

Einer derjenigen, die sich nun auf den virtuellen, aber auch realen Such-Weg machen, ist Wade Watts, ein 18jähriger Slum-Boy aus Columbus, Ohio (TYE SHERIDAN). Gemeinsam mit Kumpels – man nennt sich die High Fives – beginnt die Jagd nach dem riesigen Schatz in diesem ebenso phantastischen wie gefährlichen wie nostalgischen Universum, denn jetzt sind Pop-Film-Anspielungen aus den Achtzigern annonciert wie „A-Team“, natürlich „Zurück in die Zukunft“ oder „War Games“ oder ein Tyrannosaurus Rex-Dino oder eine gigantische Blutwelle aus Kubricks „The Shining“, begleitet von lieblichen Rock-Tönen von zum Beispiel Prince („I Wanna Be Your Love“) oder Blondie („One Way or Another“) oder den Bee Gees („Stayin´Alive“). Währenddessen sich der Nachwuchs gegen den Schurken Nolan Sorrento und dessen Schergen in plumper Gut-Böse-Wiederholungsschleifen-Manier zu wehren, zu behaupten hat.

Klingt alles schlüssig? Sogar nett? Gar unterhaltsam? Ehrlich, das täuscht. Die überlange Handlung von weit über zwei Stunden wird oft zerquatscht bis zum Geht-Nicht-Mehr; bedient dabei bisweilen routiniert-kompetent eine bekannte Abenteuer- und Action-Dramaturgie; lässt es dampfen mit viel buntem Feuerwerk und brüllendem Hokuspokus-Brimborium. Dabei schlingert der Film zumeist in der parallelen, also virtuellen Welt, gehört also meistens in den Genre-Bereich des dann auch nicht gerade aus dem Sessel reißenden Animationsfilms. Die Haupt-Kritik am sonst auch politisch denkenden Steven Spielberg (noch in den Kinos: „Die Verlegerin“) lautet: Wieso streift er nur das reizvolle Ausgangsthema, in einer dystopischen Drecks-Zivilisation benötigen Menschen Augen- & Sinnes-Geräte, um halbwegs leben, überleben zu können? Wieso inszeniert er einen Science Fiction-Kindergeburtstags-Trubel mit Kleingebell-Charme und – zugegebenermaßen – mitunter köstlichen Zitaten und Anspielungen aus den originellen Hollywood-Achtzigern? Wieso interessiert es ihn überhaupt nicht, warum eigentlich diese Demnächst-USA-Welt so dermaßen verkommen ist? Woher dieses reale Elend stammt, diese tatsächliche erbarmungslose Armut? Wo eben Spaß-Motive aus den Achtzigern zum Betäubungsmaterial mutieren? Im Buch liest sich dies ganz anders, nämlich ehrlicher realo-fictioniert.

„Ready Player One“ ist spannungsarmer Science-Fiction-Zuckerguss; der Mammutfilm offenbart sich als oberflächliches Popcorn-Movie mit ohne Tiefe, der sich erschöpft in düsterem Frohsinn (oder: fröhlicher Düsternis) und totaler visueller Überreizung. Während die menschlichen (Klein-)Darsteller zu uninteressanten Stichwortgebern degradiert sind. Für eine Warnung vor der bevorstehenden ständigen Flucht in den virtuellen Schein als wahnwitzige (Über-)Lebensgrundlage, vor dem Zerfall der zivilen Gesellschaft, erzählt Steven Spielberg nur oberflächlich-verharmlosend. Stattdessen tut sich hier nur ein rasant-öder bunter Jahrmarkt auf. Als-also: digitaler Kinderkram (= 2 1/2 PÖNIs).