Ragdoll News 1999

Ragdoll-News 2/99

ARMER FRIDOLIN oder: KEIN TROCKENFUTTER MEHR

Ich liebe Katzen abgöttisch, das habe ich an dieser Stelle schon des Öfteren mitgeteilt, Und als ich zufällig diese wunderschöne Ragdoll-Rasse kennenlernte, war‘s um mich endgültig geschehen. Erst kam, im Dezember 1993, Urmel von Dusches ins Haus, den ich sogleich FRIDOLIN umtaufte, dann folgte im März 1996 Jessy von Dusches, die ich SARA nenne. Über beide habe ich hier schon einige Male berichtet. Zum Beispiel darüber, wie Sara kurz nach ihrer Kastration plötzlich schwer krank wurde und nur durch die schnelle nächtliche Facharzt-Behandlung in der Klinik gerettet werden konnte. (Die homöopathischen Herztabletten müssen allerdings bis heute täglich zweimal weiterhin verabreicht werden; aber das ist bei ihr und für sie kein Problem; die nimmt sie sogar beinahe “gerne“).

Fridolin dagegen war viele Jahre ein gesunder Wonneproppen (s. auch die “Hommage an einen Kater zum 5-jährigen Geburtstag“ in den Ragdoll-News 5/98). Kurz vor dem letztjährigen Weihnachtsfest aber traf auch ihn die große Keule in Sachen Krankheit. Dazu aber muss ich ein bisschen ausholen: Ich hatte vorher nie Katzen, bevor Fridolin einzog. Ich war also ziemlich unerfahren und hatte deshalb Glück, mit solch einer “milden“, liebenswerten, ruhigen Rasse zusammenleben zu können. Auf Anraten der Züchterin, einer Tierärztin und der Fachfrau im hiesigen großen Katzengeschäft habe ich den Kater von Anfang an fast nur mit Trockenfutter versorgt. Andere Fressangebote wurden nur bescheiden angenommen; Fridolin begnügte sich mit dem (ausschließlich amerikanischen) Trockenfutter als Dauer- und Rund-um-die-Uhr-Nahrung. Natürlich war für mich als Anfänger diese Art der Katzen-Fütterung eine außerordentlich einfache und bequeme. Die ständigen Bedenken seines Tierarztes, der Trockenfutter z.B. wegen viel zu hoher Rohasche-, Kalzium- und Phosphor-Werte und wegen des zu geringen Wasser-Trinkens von Katzen dringend ablehnte, habe ich entweder nicht ernst genommen oder fand ich übertrieben, schließlich ging‘s Fridolin stets prächtig, und er liebte dieses trockene Futter. Kurzum: Die Tierarzt-Einwände habe ich beharrlich ignoriert.

Am 22. Dezember 1998 kam aber dann, wie bereits angedeutet, der große Krankheitshammer. Wie aus heiterem Himmel. Gerade hatte ich noch in der Monatszeitschrift “Geliebte Katze“, Ausgabe Januar 1999, einen längeren Tierarzt-Artikel über “Harngrieß & Harnstein (“Neue Steine – neue Erkenntnisse – neue Therapien“) gelesen, da passierte es: Fridolin ging unruhig andauernd aufs Katzenklo – und nichts tat sich. Immer und immer wieder rauf auf’s Klo und nichts. Ich rief also den gegenüber von meinem Wohnhaus befindlichen Tierarzt an, und der riet zum sofortigen Kommen. Das Untersuchungsergebnis war niederschmetternd: Kristalle im Urin, präzise: in der Blase, dabei handelte es sich um Kalzium-Okzalatsteine, die nicht mehr “normal“ auszuscheiden waren. Der Arzt riet zur sofortigen Operation: Die Penisspitze müsste amputiert werden, weil diese die engste Stelle am Po-Ausgang des Katers sei. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Kater sich durch das Nichtausscheiden-Können vergiftet (Fachausdruck: Urämie).

Ich stimmte natürlich besorgt zu, wollte aber auch die Ursachen für das Malheur wissen: Nach der fachlichen Ansicht des Tierarztes kam nur das ständige Füttern mit Trockenfutter “dafür“ infrage. Katzen trinken grundsätzlich zu wenig, so dass hier seiner Meinung nach die Hauptursache für das Zustandekommen und Bilden von Harnsteinen begründet ist. “Danach“ begann ein weihnachtlicher Alptraum: Als der Kater abends zuhause aus der Narkose und mit einem Katheder im Po und einer Halskrause um den Kopf aufwachte, war er natürlich völlig irritiert und aufgebracht. Dazu kamen die Wundschmerzen. Er fing andauernd an laut zu schreien und rannte halbstündig unmotiviert durch die große Wohnung. Sprang einmal sogar durch untere runde Öffnung am Kratzbaum (absolut zirkusreif wie gefährlich). Natürlich stieß er überall mit der Halskrause an und war todunglücklich. Wie ich auch. Erst morgens gegen vier Uhr konnte ich ihn einigermaßen beruhigen, indem ich ihn ins Körbchen beförderte und mich einfach mit zwei Decken danebenlegte. Mein leises Schnarchen hätte ihn auch zum Einschlafen gebracht, meinte Freundin Marianne. Alle waren wir von den ersten Stunden nach dem Eingriff geschafft. Fortan musste der Kater an jedem Morgen beim Tierarzt an den Tropf (von wegen viel Flüssigkeit), außerdem bekam er ständig Spritzen (Beruhigung, Antibiotika, Aufbau- und schmerzstillende Spritzen).

Das angebotene und vom Arzt verordnete strenge Diätfutter, das ich auch noch zusätzlich mit viel Wasser zu vermanschen hatte, nahm er nicht an. Dazu: Sara erkannte ihn mit der Halskrause, dem Katheder und wegen seines ungewöhnlichen Geruchs nicht und fauchte nur aufgeschreckt herum, wenn er in ihrer Nähe war. Stress war angesagt, sowohl bei den Tieren wie auch beim Menschen. Am Heiligabend dann der erste Lichtblick: Der Katheder am Po kam weg. Aber: Fridolin hatte bis dato das Katzenklo immer noch nicht (seit dem Eingriff) benutzt, so dass der Tierarzt, der mir seine Privatnummer gegeben hatte, gegen 17 Uhr nochmals in die Praxis kam, um ihm eine weitere Spritze zu verpassen. Danach ging er erstmals wieder auf das Katzenklo, Aber die Nahrungsaufnahme: Ich fütterte ihn erst mühselig per Hand mit ausgesuchtem Normalfutter (das er ja früher hin und wieder nahm; und ich dachte, immer noch besser als gar nichts) und führte ihm mit einer kleinen Plastikspritze so gut bzw. schlecht es ging Wasser in die Schnauze ein. An das Diätfutter aber ging er weiterhin nicht heran, da war die totale Verweigerung gegeben. Am Zweiten Weihnachtsfeiertag musste der telefonisch herbeigerufene Arzt erneut in seiner Praxis eingreifen: Wieder Tropf, Röntgen, danach örtliche Betäubung, weil die Blase immer noch viel zu groß war. Ein Einlauf sollte die Steine endlich in Bewegung bringen. Zuhause hatte Fridolin weiterhin große Mühe, mit der Krause am Hals auszukommen, denn er konnte seinen (inzwischen höhergestellten) Futternapf nur unzureichend benutzen und außerdem: Weil er sich nicht am hinteren Körperteil putzen konnte. Und putzen wollte er sich ständig; wir kennen ja die Reinlichkeit und das Reinlichkeitsbedürfnis unserer Katzen.

Für zirka 14 Tage hatte der Tierarzt die Halskrause angekündigt, damit die zugenähte Wunde richtig verheilen konnte. Es war eine Tortur, obwohl der Kater mit dem Hals-Hindernis immer besser zurechtkam. Das tägliche Prozedere aber bleib gleich: Täglich morgens am Tropf und viele Spritzen. Am Sonnabend, den 2. Januar 1999 wurden dann, unter neuerlicher Betäubung, die Fäden gezogen. Wieder Spritzen, wieder die Unruhe, ob nun bald alles überstanden sei. Am darauffolgende Montag sollte die inzwischen durch Futterreste, Blut und Schleim verklebte Halskrause endlich abgenommen werden, aber bereits am Sonntag hatte Fridolin einen Trick gefunden, sie sich selbst abzunehmen, Ich nahm dies als gute Fügung und beließ es dabei. Die Leidenszeit näherte sich ihrem Ende, Nun aber das Folgezeit-Problem: Wie bringe ich einem notorischen Raucher praktisch über Nacht bei, keine Zigaretten mehr zu rauchen bzw. hier: Wie kriege ich Fridolin endgültig von seinem heißgeliebten Trockenfutter weg??? Es war wie ganz am Anfang, als er zu mir kam: Tagelanges Ausprobieren, was er überhaupt futtern mag. Was schmeckt ihm? Da er weiterhin das stur auch angebotene ärztliche Diätfutter nicht anrührte, mussten viele Probier-Dosen Normalfutter herhalten, bis endlich sein Geschmack ausgelotet war: Futter mit Fisch mag er besonders….

Es war eine strapazenreiche (und übrigens auch sehr teure) Zeit neulich. Und ich bin froh, dass sie der geliebte Kater halbwegs gut überstanden hat. Meine Frage an die geschätzte Ragdoll-Gemeinde lautet, ob Sie eventuell ähnliche schlimme Erfahrungen in Sachen TROCKENFUTTER gemacht haben? Und falls ja, was haben Sie gemacht bzw. erreicht? Und wenn ich jetzt höre, dass Karin Hughes-Dentler ihr inzwischen 14jähriges Tier unbeschadet “nur“ mit Trockenfutter ernährt, bin ich irritiert. Ist das eine Ausnahme-Situation bei mir gewesen? In der Tierhandlung übrigens wurde mir, nachdem ich die Vorkommnisse geschildert habe, sogleich ein anderes, neues und jetzt “viel besseres“ Trockenfutter angeboten, das sogar “Harnsteine verhindert“. “Garantiert!“ Ich war empört, denn Trockenfutter kommt mir nun nicht mehr in die Schalen, egal, was mir die Leute auch sagen, Diese 14 Tage um die Weihnachts- und Neujahrszeit haben mir gereicht!

Eine kleine Abschluss-Pointe: Seitdem Fridolin von seinem männlichsten Körperteil endgültig befreit wurde, benimmt er sich wie ein Teenager:
Er tobt gerne und viel durch die Wohnung und in der leeren Badewanne und massakriert dort sein Spielzeug. Er ist viel aktiver als vorher und sogar viel munterer als die zwei Jahre jüngere Sara, die allerdings weiterhin unter ihrem zu großen Herzen leidet. Da kommen einem natürlich gemeine Gedanken…, von wegen: Wenn die Kater erst richtig munter werden ohne ihr männlichstes Organ, dann könnte man doch…, bitte, ein Scherz zum guten Schluss.

Es grüßt freundlichst Hans-Ulrich Pönack.