Public Enemy No. 1 – Todestrieb

PUBLIC ENEMY Nr.1 – Todestrieb!“ von Jean-Francois Richet (Fr/Kanada 2007; 114 Minuten, Start D: 21.05.2009); ist die Fortsetzung der Gangstersaga, die mit Teil 1 – „Mordinstinkt“ – am 23. April 2009 bei uns kino-begann (allerdings vom hiesigen Publikum kaum wahrgenommen wurde/bis zum 10. Mai fanden sich gerade einmal 41.873 Interessenten). Diente der erste Teil (von auch 114 Minuten) noch der differenzierteren Charakter-Zeichnung des charismatischen französischen Schwerverbrechers JACQUES MESRINE (1936-1979) und bot mögliche Erklärungsversuche (Algerienkrieg), zieht nun das Action-Tempo mächtig an. Denn Teil 2 konzentriert sich ganz auf das perfide Spiel des Schurken mit den Medien und der Staatsmacht. Der Staatsfeind Nr.1 hält die Grande Nation mit waghalsigen Überfällen mächtig in Atem. Narrt die Polizei mit Verkleidungen, was durch die damalige schaurige Männerfrisurenmode, mit Kotletten und Che-Guevara-Bärten, unterstützt wurde. Und: Nicht nur das Geld ist der üble Antriebsmotor, sondern auch aufreizende Geltungssucht durch dreiste Husarenstücke. Was die Franzosen „klammheimlich“ begeistert. Der gockelhafte Medienprofi gewährt auf der Flucht Interviews, schreibt eine pathetische Autobiographie im Knast („1977/“L´instinct du mort“) und bombardiert Zeitungen mit Briefen, falls sie nicht in seinem Sinne berichten. Wird gefangengenommen, bricht mehrmals wieder aus.

Inmitten einer Zeit des Polit-Terrors und der Ermordung Aldo Moros und Hanns Martin Schleyers bändelt er mit Anarchisten an und gibt sich bei der Entführung eines uralten Millionärs als Rächer der Enterbten. Als er jedoch einen mißliebigen Journalisten entführt, foltert und zurückläßt, wendet sich das Blatt. Fotos des blutenden Opfers lösen keine Bewunderung, sondern Abscheu aus: Er benehme sich „wie die Faschisten“, heißt es in der Öffentlichkeit. Der überragende 42jährige VINCENT CASSEL „trägt“ den Film, er bietet/er ist SEINE BÜHNE. Mit allem Feuer, Pfeffer, in jeder Pore, körpersprachlich formidabel, aufregend, ein Berserker von Schuft, Charmeur und Sadist. Cassel zeichnet Mesrines paranoide, aggressive Lust am Verbrechen sowie seinen nicht zu bremsenden Aktionstrieb präzise, eindrucksvoll nach. INSGESAMT also: „Public Enemy Nr.1“ ist in die großen cineastischen Spannungs-Epen der Filmgeschichte einzuordnen; ist ein exzellenter Gangster-Thriller. Bei dem allerdings die Frage durchaus gestattet ist, ob die Autobiographie dieser faszinierenden Drecks-Figur nicht auch zu einem Film hätte verdichtet werden können (= 4 PÖNIs).