PADDINGTON 2

PÖNIs: (4,5/5)

„PADDINGTON 2“ von Paul King (Co-B + R; GB 2016/2017; Co-B: Simon Farnaby; nach Motiven der „Paddington“-Kinderbücher von Michael Bond; Animations-Director: Pablo Grillo; K: Erik Wilson; M: Dario Marianelli; 103 Minuten; deutscher Kino-Start: 23.11.2017); vor knapp 3 Jahren tauchte im Kino ein britischer Teddybär auf, mit einem Faible für Orangenmarmelade, der im Jubelsturm die Herzen von kleinen wie auch von erwachsenen Kindern eroberte: „Paddington“ (s. Kino-KRITIK). Die heutige Fortführung ist sogar noch einen komischen Emotionszahn besser. Lustiger, schärfer. Weil die Macher erst gar nicht versucht haben, die Erfolgsstory vom ersten Film noch einmal zu erzählen, sondern die Geschichte um diesen freundlichen Menschen im Bären, der inmitten unserer aktuellen zynischen Welt die altmodischen moralischen Werte seiner Tante Lucy verkörpert, hübsch wie pfiffig fortzuspinnen. Das nächste Kapitel im Leben dieses schelmisch-liebenswürdigen Wesens wird aufgeschlagen.

Paddington, der mit dem roten Hut und dem dunkelbraunen Dufflecoat und mit der deutschen Stimme von ELYAS M’BAREK versehen (Original: Ben Wishaw), ist inzwischen selbstverständliches Mitglied innerhalb der Familie Mary und Henry Brown (SALLY HAWKINS & HUGH BONNEVILLE) und deren Nachwuchs. Man lebt im beschaulichen Windsor Garden, wo Paddington von der – fast – ganzen Nachbarschaft gemocht und geschätzt wird. Seine heißgeliebte Tante Lucy wird in diesen Tagen 100, und der knuffige Kleene möchte ihr ein Geschenk in die ferne Heimat schicken. Im Antiquitätenladen von Mr. Gruber (JIM BROADBENT) entdeckt er ein einzigartiges Pop-up-Bilderbuch, das er gerne erwerben möchte. Problem: Er muss das dafür nötige Kleingeld anschaffen. Was bedeutet, Paddington geht jetzt arbeiten. Wie man sich denken kann, sehen bei ihm diese Arbeitsbemühungen mitunter etwas (oder mehr) tollpatschig aus. Als Fensterputzer allerdings beweist er cleveres Talent. Dann aber wird „sein Buch“ aus dem Antiquitätenladen geklaut. Und Paddington sogar als Dieb verdächtigt. Der deshalb in den Knast muss. Wo er dem – wahrlich – bärbeißigen Tresorknacker-Koch Knuckles McGinty (BRENDAN GLEESON) begegnet. Der für die Häftlinge tagtäglich einen entsetzlichen Fraß zubereitet. Doch der mutige kleine Fell-Witzbold startet tapfer durch; Stichwort: Mit seinen köstlichen Marmeladenbroten kann er riesig punkten…

Genug erzählt, viel besser: anschauen. Und genießen. Sich „wie Bolle“ amüsieren. Außerordentlich viel Spaß haben. Vor allem auch: bei bzw. mit den Bemühungen des listigen Schurken-Schauspielers und verkannten Verkleidungskünstlers Phoenix Buchanan (HUGH GRANT), dem eigentlichen und überkandidelt-größenwahnsinnigen Bücher-Dieb. Der den mächtigen Zauber in und um diese Lektüre längst erkannt hat und für sich auszunutzen beabsichtigt. Doch nun bewährt sich, dass Paddington so viele Fans, also Freunde, um sich weiß.

Viel Spiel, noch mehr Spaß, ein herrliches Kompakt-Vergnügen. Die etwas düsteren Elemente aus dem ersten Film, damals mit der bösen Tierpräparatorin Nicole Kidman, sind „erhellt“, also deutlich Familienfilm-freundlicher aufgefrischt worden. Motto: Es lebe der picobello britische Slapstick-Humor. Mit seinen augenzwinkernden (Shakespeare-)Anspielungen ebenso wie mit fröhlichen Action-Motiven. Paddington-Kino, das bedeutet inzwischen: ein tierischer Tempo-Spaß, inmitten verzückender Dekors und ulkiger Kulissen (Stichwort: Eine sagenhafte Bahnfahrt gönne ich mir!). Sowie: mit diesen fein-exzentrischen, lachhaft-brillanten Parodie-Auftritten des äußerst schlecht-gut-gelaunten HUGH GRANTs. Der sich hier grandios selbst auf die arrogante Schauspieler-Schippe nimmt und ulkig-miese Eitelkeit verbreitet. Unser Bär hat hier – in der Tat – einen formidablen Gegenspieler. Dem es offensichtlich eine schelmige Lust war, einmal so richtig den schrägen Kinder-Tölpel aus sich herauszulassen.

Co-Drehbuch-Autor und Regisseur PAUL KING, Jahrgang 1978, der auch Teil 1 inszenierte, betonte in Berliner Interviews, dass er sich bei seiner Fortführung vor allem an der wunderbaren Herz- und Lachmuskel-Komik eines Charlie Chaplins orientierte. Zunächst ohne den Hauptakteur, denn: „Charlie“ Paddington war ja gar nicht am Set, als herumgewirbelt wurde, sondern „kam“ erst danach dazu.

„Paddington 2“ – oder: Eine Fortsetzung ist nicht immer nur ein – simples – Weitermachen, sondern bedeutet manchmal auch: einen wunderschönen neuen Groß-Spaß (= 4 1/2 PÖNIs).

P.S.: Der Film ist MICHAEL BOND gewidmet, dem im Juni 2017 im Alter von 91 Jahren verstorbenen Schöpfer der Kinderbuch-Figur Paddington.

 

 

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