No time to die

NO TIME TO DIE“ von King Ampaw (Ghana/D 2007; 90 Minuten; OmU; Start D: 18.06.2010); der 1940 in Ghana geborene Regisseur, der nach einer technischen Ausbildung in Accra 1961 über ein Stipendium in die DDR kam, um Feinmechanik zu studieren und dann in Dresden seine Leidenschaft fürs Kino entdeckte, studierte in den 60er Jahren schließlich FILM in Potsdam-Babelsberg, Wien und München. Dort lernte er viele Regisseure des „Jungen Deutschen Films“ wie Fassbinder, Herzog und Wenders kennen. Als Kameramann und Assistent war er an mehreren Produktionen beteiligt, bevor er 1979 zurück nach Ghana ging und eine führende Stelle im „National Television“ übernahm. 1983 gründete King Ampaw seine eigene Produktionsfirma „Afro Movies“. Mit finanzieller Unterstützung des NDR entstand 1983 sein auch hierzulande bekannt gewordener, vielgelobter Debütfilm „KUKURANTUMI – THE ROAD TO ACCRA“ sowie 1985 „Nana Akoto/Juju“. In den 80er und 90er Jahren betätigte Ampaw sich gelegentlich als Co-Produzent und Schauspieler bei der Realisierung von in Afrika spielenden Projekten deutscher Regisseure, so etwa bei „Cobra Verde“ von Werner Herzog, „African Timber“ von Peter F. Bringmann und „Anasi – Die Reise des Löwen“ von Fritz Baumann sowie später dann auch bei „Welcome Home“ von Andreas Gruber (2004).

22 Jahre dauerte es, bis er mit „No Time to Die“ seinen 3. Kinospielfilm realisieren konnte. Und wie schon bei seinen vorherigen Filmen zeichnen sich auch hier – im besten Sinne – Bescheidenheit und Schlichtheit aus, die seinen Film so angenehm wie „wertvoll“ erscheinen lassen. Denn: Afrika wird hier nicht im permanenten wie kritischen (Alptraum-)Krisenszenario vorgeführt, sondern im „Allgemeinzustand“, in der täglichen afrikanischen Normalität, in der – wie überall auf der Welt – gearbeitet und gefeiert, geliebt und gestorben wird. Dabei im Mittelpunkt: Der Fahrer eines Leichenwagens, der gutmütige Asante (DAVID DONTOH). DER findet wegen seines morbiden Gewerbes einfach keine Partnerin. In der Begegnung mit einer jungen hübschen Kundin, Esi (AGATHA OFORI), deren Mutter gerade gestorben ist und beerdigt werden muß, sieht er jetzt die Chance, eine Ehefrau „abzubekommen“. Asante mobilisiert Ritterlichkeit, List und viel Charme, um das Herz der Schönen zu gewinnen. Was deren Vater allerdings überhaupt nicht paßt, denn DER möchte auf gar keinen Fall einen Leichenwagentransporteur als Schwiegersohn haben („Nur über meine Leiche“). Doch hier sorgt die Hilfe eines Magiers für „praktische“ Unterstützung.

Ein ENTSPANNTES Afrika-Movie. Als romantische Komödie. Mit doppelbödig-charmanten wie hintersinnigen Einblicken in die Mentalität des Landes. Unangestrengt, amüsant und lächelnd geht es um einheimische Bräuche und Traditionen, die eine vitale Kraft besitzen, wenngleich sich Ampaw durchaus kritische Spitzen gegen abergläubige Auswüchse erlaubt. „No Time To Die“ ist ein feines Road- Movie in die afrikanische Seele. Mit Shakespeare-Charme, wenn die hübsch Verliebten in bester Shakespeare-Tradition von komisch-kauzigen Nebenfiguren flankiert werden (wie z.B. von Asantes kleinwüchsigem wie geschäftstüchtigem Assistenten oder einem „hellsichtigen“ Blinden, dessen Prophezeiungen auf profunder Menschenkenntnis basieren). Ein SCHÖNER, sehr UNTERHALTSAMER Afrika-Film, in dem DAVID DONTOH, einer der beliebtesten Schauspieler Ghanas, den pfiffigen Asante prima performanct. Während es mit der jungen Tänzerin und Partnerin AGATHA OFORI als Esi, die hier ihr Leinwand-Debüt absolviert, genauso süffisant-erotisch knistert wie einst zwischen Bogart & Bacall in „Tote schlafen fest“ (= gerade wieder im Kino) oder in „To Have and Have Not“. „No Time to Die“ oder: Eine wunderbare Entdeckung im hiesigen Kino-Sommerprogramm (= 4 PÖNIs).

Teilen mit: