MOONWALKERS

„MOONWALKERS“ von Antoine Bardou-Jaquet (Fr/Belgien 2014; B: Dean Craig; K: Glynn Speekaert; M: Kaspar Winding; Alex Gapher; 107 Minuten; dtsch. Heimkino-VÖ: 2.6.2016); gut Ding will Weile haben? Oder so ähnlich? Jedenfalls liegt diese Blu-ray schon seit vielen Wochen auf dem Noch-zu-sehen-Stapel bei mir, und jetzt habe ich endlich die Gelegenheit ergriffen, ihn mir anzusehen. Dabei zählte er, nach Experten-Meinungen, zu den Highlights bei den vorjährigen „Fantasy Filmfest Nights“. Unsere Lichtspielhäuser hat er trotzdem danach nie regulär erreicht, und der deutsche Heimkino-Start fand vor über einem Jahr auch ziemlich „versteckt“ statt.

Vielleicht deshalb, weil hier sensible Zuschauer verpönt und Kunstsachverständige möglicherweise angeekelt werden. Überspitzt formuliert. Jedenfalls 1 ist „Moonwalkers“ ein Genre-Knüller, der ziemlich phantasievoll wie schwarz-komisch anmacht. Jedenfalls 2 spinnt sich die Story ebenso listig wie verrückt-möglich voran. Wir erinnern uns (gerne): Am 11. September 1968 kam in der BRD einer der besten Kinofilme aller Zeiten  heraus:
„2001 – Odyssee im Weltraum“. Wegen seiner „präzisen Ausstattung“ und vielen vorausschauenden technischen Einfällen und verblüffenden Ideen wurde Regisseur (und „Oscar“-Preisträger) Stanley Kubrick fortan für die CIA zu einer „interessanten Person“.  Die es ständig zu beobachten galt. Denn der US-Geheimdienst war misstrauisch ob der verblüffenden Details, die Stanley Kubrick benutzte. Also „wusste“. Hatte er sich DIE ALLE sich tatsächlich selber ausgedacht oder hatten ihm dabei etwa „die Russen“ „geholfen“? Die USA waren damals mal wieder in Paranoia-Stimmung. 1961 hatte es Präsident John F. Kennedy zur nationalen Aufgabe erklärt, noch vor Ende des Jahrzehnts einen amerikanischen Menschen auf den Mond zu senden und wieder zurück zu bringen.

Der Wettlauf gegen die Sowjetunion, die ähnliches plante, ist in vollem Gange, als dieser Film startet. Hysterie breitet sich geradezu aus, als von offiziellen NASA-Stellen immer wieder technische Zweifel an der baldigen Durchführung der nationalen Mission laut werden. So entsteht schließlich die Idee, einen CIA-Agenten nach London zu senden, damit dieser mit Stanley Kubrick Kontakt mit dem Ziel aufnehme, dass jener eine Mondlandung „inszenieren“ möge, falls „die richtige“ demnächst schiefgeht. Sozusagen: der sichere Mondlandungsfilm in der Fake-Hinterhand.

Agent (und traumatisierter Vietnam-Veteran) Tom Kidman (RON PERLMAN) macht sich also mit einem gut gefüllten Dollar-Koffer auf den Weg. Zeigt sich schon unterwegs, im Flugzeug, gegenüber einem nervenden Sitz-Nachbarn „angemessen“, also „konsequent“ (also im „Ruhigstellen“ desselben), und trifft dann schließlich in der britischen Swinging-Hauptstadt von Mitte 1969 auf …Jonny (RUPERT GRINT). Einen totalen Vollzeit-Loser-Typen, der gerade voll in der existenziellen Scheiße steckt. Als Promoter einer erfolglosen Band hat er geborgtes Geld verschludert, wodurch sich Geld-Eintreiber an seine Fersen heften. Also gibt sich Jonny als Kubrick-Agent aus, weil der richtige = sein Vetter, kurz mal das Büro verlassen hat, was dazu führt, dass Jonny zum ersten Mal in seinem kargen Da-Sein „richtig Kohle“ besitzt. Allerdings für nur kurze Zeit, denn Jonny ist nicht nur reichlich schlicht, sondern auch scheiße-blöd. Der zudem mit seinem völlig unterbelichteten Hippie-Mitbewohner-Kumpel  Leon (ROBERT SHEEHAN) ‚rummacht. So dass der CIA-Geld-Koffer auf „Wanderung“ geht. Von reichlich unangenehmen Typen begehrt und bisweilen auch erobert wird. Was Agent Tom nicht nur auf die nervliche Palme bringt, sondern auch „handfest“ werden lässt: Leichen pflastern seinen Weg. Und: ab sofort wird es auch immer skurriler und fröhlich-irrer, und dies sollte man besser sehen als lesen.

Der Comic-„Hellboy“-Hüne  (2 x: 2004 und 2008) RON PERLMAN zeigt sich köstlich „ernsthaft“-albern und wunderbar pechschwarz-ironisch als einzig behaupteter „Normaler“ inmitten einer Versammlung von exzentrischen Geiern und abgefahrenen Möchtegern-Popanzen in Rausch-Laune. Ergebnis: Eine zünftige Freak-Party, mit psychodelischen Kampfansagen und einem niedlichen „Schisser“ von RUPERT GRINT, dem ewigen Harry Potter-Kumpel „Ron Weasley“. Der hier dieses sich permanent Voll-in-Scheiße-Setzen-Typchen Jonny prima hinkriegt. Und auch: Sein ewig sanft-durchgeknallter und zeitweiliger „Kubrick“-Kumpel Leon wird von ROBERT SHEEHAN mit hinreißender Slapstick-Folie dargeboten: Ein benebelter Clown vom Allerfeinsten-Schlimmsten. Apropos, und Stanley, der Kubrick?: Wenn zu Puccinis „La Gazza Ladra“ einige Nazi-Biker vermöbelt werden, keimt durchaus orange Uhrwerk-Lust auf.

„MOONWALKERS“ oder: Am 16. Juli 1969 starteten die drei Astronauten Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins mit „Apollo 11“ ins All, landeten mit einer Fähre am 20. Juli auf dem Mond, betraten diesen (jedenfalls Armstrong und Aldrin), hielten sich für knapp 22 Stunden dort auf, um dann zurückzukehren. Die TV-Übertragung dieses Ereignisses verfolgten weltweit rund 600 Millionen Menschen. Und wir fragen uns heute gerne Verschwörungs-frech: Welchen Film haben wir damals wirklich gesehen? „Moonwalkers“, der Film jedenfalls, stellt ulkig-hinterhältige Fragen und gibt verdammt-schön-bekloppte Rätsel auf (= 4 PÖNIs).

 

Anbieter: „Universal“.