MAMA

„MAMA“ von Andy (= Andrés) Muschietti (Co-B + R; Spanien/Kanada 2011; Co-B: Barbara Muschietti; Neil Cross; Co-Produzenten u.a.: Guillermo del Toro; Barbara Muschietti; K: Antonio Riestra; M: Fernando Velázquez; 100 Minuten; Kinostart D: 18.4.2013; Heimkino-VÖ: 19.8.2013); seit einigen Wochen kennt ihn die ganze Film-Welt, seit der vorigen Woche ist er auch hierzulande ein bekannter Name: ANDRÉS MUSCHIETTI, 1973 in Argentinien geboren und mit seinem zweiten Kinospielfilm „ES“ weltweit durchgestartet. Seitdem interessiert auch sein Debütfilm „MAMA“, den er 2011 gemeinsam mit seiner Schwester Barbara Muschietti schuf und der, als er bei uns im Frühjahr 2013 anlief, wenig Beachtung fand. Das ist nunmehr – fürs hiesige Heimkino-Angebot – anders geworden, und es gilt tatsächlich, einen bisher übersehenen hervorragenden Genre-Streifen aus dem Bereich Horror/Spuk „nachzumelden“.

Schon die Vorgeschichte ist bemerkenswert. 2008 dreht der unbekannte argentinische Regisseur Andrés Muschietti, zusammen mit seiner Schwester Barbara Muschietti, einen dreiminütigen Horror-Kurzfilm: „Mamá“. Dieser findet internationales (Festival-)Aufsehen und ruft den bekannten mexikanischen Produzenten und Regisseur GUILLERMO DEL TORO („Hellboy“; „Pans Labyrinth“) auf den Plan, der als Produzent den Geschwistern Muschietti ein Budget von 15 Millionen US-Dollar zur Verfügung stellt, um aus ihrem Kurzfilm einen abendfüllenden Spielfilm herzustellen. Der (Geschäfts-)Plan ging auf, denn der Lang-Film spielte 71 Millionen Dollar ein und mutierte zum erfolgreichsten Horrorfilm des Kino-Jahrgangs 2012.

Obwohl am Anfang der Satz auftaucht, „Once upon a time“, beginnt der Film alles andere als märchenhaft: Die Finanzkrise hat 2008 schlimme  „Betriebstemperatur“ aufgenommen; seine riesigen Auswüchse sind in vollem Gange. Die TV-Berichterstattung meldet furchtbare Ereignisse. Zum Beispiel DIE vom Geschäftsmann Jeffrey, der offensichtlich nichts mehr zu verlieren hat und Amok läuft; einige Arbeitskollegen sowie auch seine Ehefrau gerade getötet hat. Wir sehen ihn, wie er sich mit seinen beiden kleinen Töchtern Danach in einer abgelegenen Wald-Hütte versteckt, um dann „sein Werk“ „zu vollenden“: die Auslöschung der gesamten Familie. Doch dann kommt es ganz anders, in dieser Hütte.

Fünf Jahre danach werden sie doch noch – in fürchterlich verwildertem Zustand – gefunden: die Töchter Victoria (MEGAN CHARPENTIER) und Lilly (ISABELLE NÉLISSE). Ihr Onkel Lucas (NIKOLAJ COSTER-WALDAU) hatte nie aufgegeben, sie privat (gegen Bezahlung) suchen zu lassen. Doch ehe er und seine Lebensgefährtin Annabel (JESSICA CHASTAIN), eine Rock-Musikerin, sie bei sich aufnehmen dürfen, werden die robuste Victoria und die weiterhin völlig verängstigte Lilly in einem „Medizin-Haus“ vom Psychiater Dr. Freyfuss (DANIEL KASH) betreut, der sich vor allem mit einem Phänomen zu befassen hat: mit einer „Mama“, die die Kinder nicht nur die langen Jahre in der Waldhütte „betreute“, jedenfalls behaupten dies immer wieder die Kinder, sondern die sich jetzt auch offensichtlich weiterhin um diese „kümmert“. Zudem taucht nun auch noch eine Tante Jean auf, um die beiden Kinder bei sich aufnehmen zu können und gar nicht gut gelaunt drauf ist, als dieses vorerst misslingt.

Das – unheimliche wie atmosphärisch-belebende – Spuk-Spiel kann beginnen.

Zwei Mutter-Figuren: Eine, der diese Rolle mehr aufgedrängt wurde, Annabel, und eine aus der Vergangenheit, die „nicht zur Ruhe kommt“, weil einst Schlimmes geschah. Der „Game of Thrones“-Star Nikolaj Coster-Waldau“ als gutmütiger, aber überforderter Onkel wird bald aus dem dramaturgischen Verkehr ins Koma gezogen, damit „die Mädels“ die gruselige Horror-Performance alleine vorantreiben können: Die gezwungenermaßen zur Ersatz-Mama gedrängte Annabel, die mehr und mehr in die Rolle als Retterin hineinwächst, sowie diese beiden gepeinigten und zwiegespaltenen Kinder, die unheimlich (im wahrsten Sinne) stark von „Mama“ beeinflusst werden. Virtuos wird dies begleitet von einem überragenden Score von FERNANDO VELÁQUEZ („Das Waisenhaus“): Da ist jemand wunderbar melodiös-kreativ in dem faszinierenden Stimmunsgebilde zwischen starken Grusel-Bildern und vielschichtigem Seelen-Schauer. „Golden Globe“-Preisträgerin JESSICA CHASTAIN („Zero Dark Thirty“/2012), die Tochter des Rockmusikers Michael Monasterio, sieht sexy-aus, ähnelt der Rock-Röhre Joan Jett und muss sich immer mehr „stellen“, um „ihre Kinder“ zu beschützen. Besser: „Zurück zu holen“.

„MAMA“ ist ein deftiger Horror-Film-Trip für Genre-Fans und nun auch für diejenigen, die neugierig darauf sind, was Andy (= wie er noch „Ami-haft“ genannt/verkauft wurde) Muschietti vor „ES“ es so filmisch getrieben hat (= 4 PÖNIs).

 

Anbieter: „Universal“.