Maggie’s Plan Kritik

MAGGIES PLAN“ von Rebecca Miller (B + R; USA 2015; K: Sam Levy; M: Michael Rohatyn; 98 Minuten; Start D: 04.08.2016); viele Schauspieler/Innen gibt es nicht, bei denen die Empfehlung gilt: Jeder Film ist bitte anzuschauen! GRETA GERWIG, Jahrgang 1983, ist eine dieser „Besonderen“. Mit Filmen wie „Frances Ha“ (s. Kino-KRITIK) oder „Mistress America“ (s. Kino-KRITIK) ist sie auch hierzulande bekannt geworden. Und geschätzt. Mit der – allerdings berechtigten – Schublade: Eine herrliche „Woody Allen-Type“. Lustvoll neurotisch, wunderbar verhuscht, charmant unsortiert. Also sympathisch tollpatschig. Geschwätzig pfiffig. Dieser große unauffällige blonde Schlacks. Natürlich aus New York.

Die hier eine junge, natürlich irgendwie verhuschte 30jährige Dozentin spielt, Maggie, die ihr „durchdachtes“ Leben endlich in den Beziehungsgriff zu kriegen beabsichtigt. Weil ihre selbigen, Beziehungen, nie länger als ein halbes Jahr gehalten haben, will sie keine festen mehr. Allerdings – ein Kind, dies sollte jetzt schon sein. Das sie dann allein aufziehen kann. Wie also wäre es mit dem Spender-Sperma eines früheren Kommilitonen? Der gerade zu einem mächtigen Gurken-Magnaten aufsteigt? Gerade geplant, da treffen sie voll die Emotionen. In Gestalt des verheirateten Anthropologen und angehenden Autoren John (ETHAN HAWKE). Der fühlt von seiner dominanten Ehefrau und dänischen Power-Professorin Georgette (JULIANNE MOORE) erdrückt. Seitenwechsel. John lässt sich scheiden. Maggie und er heiraten.

Drei Jahre später ist auch in der Ehe von Maggie & John die Luft heraus. Spürt Maggie. Einzig der gemeinsamen Tochter gebührt inzwischen die volle Aufmerksamkeit und Liebe. Als sie erfährt, dass einst die Ehe zwischen John und Georgette keineswegs so fürchterlich war wie von John beschrieben, beginnt sie, einen ihrer listigen Lebens-Pläne in die Praxis-Tat umzusetzen. Forsch. Beharrlich. „Interessant“.

Greta Gerwig. Eine clevere Verpeilte. Die Figur der Maggie ist ihr auf den schmunzelnden Leib geschrieben: Mit Bedacht und Praxis-Mut „Leben“ versuchen, um schließlich die beste Privatlösung zu finden. Zugleich plant sie dabei die Zukunft. Für alle. Beteiligten.

REBECCA MILLER, Jahrgang 1962, Autorin, Regisseurin, Malerin und Bildhauerin, ist die Tochter des Schriftstellers Arthur Miller, hat Malerei an der Yale-Universität studiert. 1990 fing sie mit dem Filmen an. „Maggies Plan“ ist ihr 5. Spielfilm (zuletzt: „Pippa Lee“/2010/s. Kino-KRITIK). Ihr Drehbuch basiert auf einem unvollendeten Roman ihrer Freundin Karen Rinaldi. Enthält typische New Yorker Intellektuellen-Liebeserklärungs-Sätze wie „Niemand erklärt den Warenfetischismus untergehender Großreiche wie du“. Das sitzt. Gilt erst einmal, verdaut zu werden. Da weiß man, was man gerne hört, in diesem Bonmot-reichen Ostküsten-Kopf-Milieu.

Ethan Hawke gibt den „schwachen“ Klugscheißer von Versuchs-Literaten. Greta Gerwig ist wieder zum Mögen konstant. Die Hammer-Figur aber hier ist die einmal mehr die prächtige „Oscar“-Lady JULIANNE MOORE („Still Alice“) als faszinierende akademische Eiskönigin. Mit prächtigem Akzent. Und eine Wonne ist es auch, kurz einmal wieder einen Blick auf den großartigen Mimen WALLACE SHAWN (in einer Nebenrolle, als Moderator Kliegler) zu bekommen.

Wie gehabt: Ein Film mit Greta Gerwig bleibt auch weiterhin immer ein Spaß-Gewinn (= 4 PÖNIs).