Maggie Heimkino

Link für Pöni TV ER ist verblüffend. Großartig. Überragend. Obwohl er diesmal nicht über seinen trainierten Mucki-Body „spricht“, sondern mit seinem Menschen-Körper. Der Ausdruck im Gesicht ist diesmal vor allem gefragt. Die resignierende, schlurfende Bewegung mit dem Kopf. Um die viele Anspannung, die Traurigkeit, das Entsetzen und die große Ratlosigkeit auszudrücken. ARNOLD SCHWARZENEGGER, neulich, am 30.Juli, 68 geworden, in einer der besten Rollen seines Lebens und das hiesige KINO sagt: Nö. Wollen wir nicht. Nur wenn er zum wiederholten Male den „Terminator“-Affen macht, kommt er für uns infrage. So kriegt das HEIMKINO bei uns gleich einen Hit, der absolute Leinwand-Qualitäten hat und kürzlich beim Fantasy-Festival nach übereinstimmenden Kritik-Berichten die absolute Nr.1 unter den Angeboten war:

MAGGIE“ von Henry Hobson (USA 2013; B: John Scott III.; Co-Produzent: Arnold Schwarzenegger; K: Lukas Ettlin; M: David Wingo; 98 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 28.08.2015).

Alle haben hier mehr eingebracht denn „abgeschöpft“; haben sich mit einem Mini-Lohn zufrieden gegeben: die Drehzeit im ländlichen New Orleans betrug 25 Tage; das Budget umfasste gerade einmal 1,4 Millionen Dollar. Arnold Schwarzenegger, der auch als Co-Produzent mitgemischt hat, war – wie er im umfangreichen (untertitelten) Bonus-Interview (= mit auch einem ausführlichen, hochinteressanten Making Off) erklärt – von dem Drehbuch und Projekt dermaßen angetan, dass er unbedingt mitmachen wollte: „Es ist mein menschlichster Film geworden“, erklärt er. Und das kann man ihm durchaus abnehmen. Denn dass sich ein Superstar und Großverdiener Hollywoods für ein Debüt-Projekt eines zwar namhaften Hollywood-Designers, aber Spielleiter-Neulings namens Henry Hobson („Ich arbeitete am Design des Vorspanns von „The Walking Dead“) zur Verfügung stellt, kommt auch nicht alle Film-Tage vor. Man hat sich gut zusammengerauft und einen der besten Genre-Filme überhaupt geschaffen (4 ½ PÖNIs).

Natürlich ist DAS glaubhaft. Vorstellbar. Wir, die Menschheit, haben auf diesem Erde fürchterlichen Mist gebaut. Haben den Planeten elendig verdrecken lassen. Jedenfalls hat sich der Necroambulus-Virus S-47 ausgebreitet. Eine Art „Zombie-Virus“. Viele Menschen haben sich „verwandelt“ oder sind gestorben. Beziehungsweise wurden „amtlich“ getötet. Ganze Regionen im amerikanischen Land sind verwüstet. Zwar ist es der Regierung offenbar gelungen, die Epidemie einzudämmen, aber die junge Maggie (ABIGAIL BRESLIN) hat es dennoch „erwischt“. Sie hat sich infiziert. Liegt im Hospital, als ihr Vater Wade (Arnold Schwarzenegger) sie abholt. Er will sie zu Hause pflegen und „hinkriegen“, innerhalb der Familie. Auf der abgelegenen Farm. Bei seiner (zweiten) Frau und den gemeinsamen Kindern. Obwohl die Ärzte Maggie nur noch wenige Monate geben. Bis ihr Umwandlungsprozess zum „Monster“ beginnt. Ehefrau Caroline (JOELY RICHARDSON) ist skeptisch. Bringt erst einmal die Kleinen in Sicherheit und muss ebenso wie Ehemann Wade den langsamen Zerfall von Maggie mit ansehen. Erleben. Als sie es nicht mehr aushält, sind Vater und Tochter allein. Auf sich gestellt.

„Wir sind Menschen. Sind wir Menschen?“, steht auf einem zerfallenden Haus geschrieben. Aus dem Radio kommen laufend Horrormeldungen. Beschwichtigungsversuche wie Verhaltensanweisungen. Das Land ist im Aufruhr. Stichwort: Die verzweifelten Versuche / Bemühungen der „Normalen“ zu überleben. Dafür gilt es, harte, grauenvolle Maßnahmen zu ergreifen. Sich vom „menschlichen Müll“ zu trennen. Der Nachwuchs spricht es offen aus. Debattiert gelassen-verzweifelt. Während Wade weiterhin auf das Prinzip Hoffnung setzt. Er will auf gar keinen Fall seine Tochter „opfern“. „Hergeben“. „Erlösen“. Lassen. Der Konflikt ist vorprogrammiert. Denn Maggie wird mehr und mehr für ihn selbst zur Bedrohung.

„Maggie“ ist der überzeugende, außerordentlich spannende und faszinierend-bedrückende Versuch, die menschliche Seite der Zombie-Apocalypse sensibel abzuklopfen. Mit sehr viel Wirklichkeitsnähe-„Charme“. Dabei stehen keine blutigen Beiß-Attacken im Mittelpunkt des Geschehens, sondern gesellschaftliches Entsetzen und viel Seelen-Energie. Zwischen einem fassungslosen Vater und seiner erkrankten Tochter. Existenzielle Gedanken beherrschen die behutsame Szenerie. Ausgedrückt durch zwei phantastisch-intensiv-leise Hauptakteure: ARNOLD SCHWARZENEGGER als verzweifelter Familienvater Wade ist unglaublich überzeugend Charakter-präsent. Stark in seiner Ruhe. Besonnen in seinen aufgewühlten Emotionen.

Der Kerl ist jetzt „in den Jahren“ und zeigt erstaunlich neue (innere) Wandlungen. Darstellerische Qualitätskanten und brillante Seelen-Ecken. Als einfacher Farmer, der einfach nur sein Kind schützen will. Wohlwissend wie verdrängend, dass dies nicht möglich sein wird. Ist. Und: Er hat eine ebenso imponierende „Tochter“ an seiner Seite: ABIGAIL BRESLIN, New Yorkerin des Jahrgangs 1996, als „Little Miss Sunshine“ 2006 begeisternd aufgefallen („Oscar“-Nominierung) und seitdem filmisch viel und prächtig unterwegs („Zombieland“; „The Call – Leg nicht auf!“; „Im August in Osage County“). Als Titelfigur Maggie ist sie in ihrer „Zwischenkörperwelt“ faszinierend präsent und unheimlich charismatisch.

Die Musik von David Wingo: Einfühlsam wirkungsvoll; angenehm „kommentierend“ begleitend, definitiv leise passend. Die emotionalen Stimmungen und Schwingungen exzellent ausdrückend. Das Drehbuch von John Scott III. befand sich 2011 auf der berühmten „Black List“ in Hollywood, wo die besten der bislang unverfilmten Drehbücher gesammelt werden. Die „Übernahme“ zum Filmprojekt hat sich mehr als gelohnt: „MAGGIE“ ist ein anspruchsvoller Horrorfilm als Zombie-Drama und herausragender Virus-Thriller. Und als mutiges Vater-Tochter-Poem. Selten so etwas Gutes in diesem Genre gesehen. Das hiesige Kino ist doof, sich um solch einen großartigen Spannungsstreifen nicht bemüht, nicht gekümmert zu haben.

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