ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 3

„ICH – EINFACH UNVERBESSERLICH 3“ von Pierre Coffin und Kyle Balda (USA 2013-2016; B: Cinco Oaul; Ken Daurio; M: Heitor Pereira; Pharrell Williams; 90 Minuten; auch in 3 D); neben den Animations-Spezis von Disney/PIXAR und zum Beispiel „Dreamworks“ hat sich seit 2010 das Unternehmen „Illumination Entertainment“ sehr erfolgreich „eingemischt“: mit  der Trick-Erfolgsreihe „Despicable Me“, übersetzt = „Mein verabscheuungswürdiges Ich“. Woraus bei uns: „Ich – Einfach Unverbesserlich“ wurde.

Dabei – zunächst – im Mittelpunkt: Der dickliche Ganove Mr. Gru. Der so gerne Welt-Schurke Nr.1 werden möchte, aber von drei niedlich-lieben wie aufgeweckten kleinen Waisenmädchen – Margo, Edith und Agnes – emotional ausgetrickst, das heißt „umgepolt“ wird. Zum Gut-Typen. Damals, beim ersten Film, „Ich – einfach unverbesserlich“ (s. Kino-KRITIK), waren die kleinen witzigen, gelben hyperaktiven MINIONS noch tollpatschig-witzige Sidekicks von Kartoffel-Zwergen mit Taucherbrillen im Gesicht. Doch die Banana-Kauzlinge wurden sogleich dermaßen beliebt, dass ihre Auftritte in der Fortsetzung – „Ich – einfach unverbesserlich 2“ (s. Kino-KRITIK) – im Sommer 2013 ausgeweitet wurden. Nun mussten der „gute“ Gru & seine Chaos-Gören gegen einen Superschurken antreten. Wieder waren begeisterte weltweite Minions-Rufe zu vernehmen. So dass die kleinen putzigen eierköpfigen Kerlchen mit dem komischen Lachen und ihrer eigenwillige Sprache, ein Kauderwelsch aus Italienisch, Französisch und Spanisch, schließlich am 11. Juni 2015 Weltpremiere mit ihrem ersten eigenen Spielfilm hatten: „Minions“ (s. Kino-KRITIK) sorgte nicht für den den besten Kinostart eines Animationsfilms aller Zeiten, sondern auch für eine unverzügliche weltweite „Gelb-Sucht“.

Nun also wieder zurück zu den Wurzeln, zur Familie von Mr. Gru (Originalstimme: Steve Carell; deutsche Stimme: OLIVER ROHRBECK). Hatte er doch im zweiten Film sich vom Saulus zum Paulus gewandelt und sich der „Anti Villain League“ angeschlossen, einer staatlichen Organisation, die gegen Super-Schurken vorgeht, so gibt es jetzt Stress für ihn. Eine neue Chefin-dort feuert ihn. Die inzwischen zu seiner Ehefrau gewordene Top-Agentin Lucy (Kristen Wiig / MARTINA HILL) solidarisiert sich mit ihm, so dass Arbeitslosigkeit winkt. Was für die drei Adoptivmädels zuhause ebenso frustrierend ist wie für die Minions, für die sowieso schon die Umkehr vom Böse-Sein zum Gut-Werden nicht ganz nachvollziehbar war. Und ist. Und die sich jetzt erst einmal auf und davon machen. Ein Glück für Gru und Verbliebene, dass mit Balthazar Bratt (Trey Parker / JOKO WINTERSCHEIDT) ein neuer Erz-Fiesling auftaucht. Balthazar, ein ehemaliger TV-Serien-Liebling aus den Achtzigern, hat es bis heute nicht überwunden, damals irgendwann abgesetzt worden zu sein. Er will Rache. Aus verletzter Eitelkeit. An Hollywood und überhaupt an so vielen wie möglich. Dass ihn Gru nicht gekriegt hat und dieser deshalb gerade seinen Job verloren hat, stimuliert ihn zudem. Und: Mit seiner extravaganten Kaugummi-Wunderwaffe hält sich der exotische Outfit-Achtiger (= Vokuhila-Frisur; Schulterpolster, Umhänge-Keyboard…) für unbesiegbar.

Was haben wir jetzt: Zum Beispiel taucht ein Zwillingsbruder von  Gru auf, Dru (ebenso: Steve Carell/Oliver Rohrbeck), der in einem prächtigen „Schweine-Palast“ wohnt, ausgestattet mit einer „Sixtinischen Kapelle“, allerdings mit Schweinen anstatt mit Engeln ausgemalt, und der nun unbedingt von Gru erfahren und lernen will, wie man zu einem „richtigen Bösewicht“ mutiert. Was natürlich zu einigen „Komplikationen“ führt. Währenddessen die Minions ein Eigen-Dasein führen und von einer ulkigen Slapstick-Show-Nummer zur nächsten komischen umherwuseln. Währenddessen der kleine Nachwuchs bemüht ist, eigene „Spielereien“ zu veranstalten. Und populäre Songs aus den Achtzigern, von „Bad“/Michael Jackson über „Take von Me“/Aha und „Into the Groove“/Madonna sowie kurz auch „99 Luftballons“/Nena für einen ganz eigenen und eigenwilligen Art-Musical-Schwung sorgen. Höhepunkt der burlesken Einlagen, wenn die Minions zufällig in einer  „…sucht den Superstar“-Live-Sendung landen und genial klassisch-poppig herumschmalzen.

Wieder: ein schwungvoller Kinder-Jux für jeden Jahrgang. Am Ende ein bisschen bonbon-bunt-hart, aber insgesamt locker, witzig, mit stephaftem Feeling. Allerdings auch, die „DPA“-Kritiker-Kollegin Cordula Dieckmann bringt es auf den legeren Schwach-Punkt: „Es ist ein bisschen so, wie gut eingetragene Schuhe: nicht wahnsinnig aufregend, aber bequem“. Stimmt: Ein bisschen mehr von der einstigen Anarchie und dieser aufreizenden Unverschämtheit des Originals werden vermisst. Und auch von diesen brabbelnden gelben Glubschaugenträger mit ihren typischen Rotzlöffel-Ausraster-Späßen hätte man gerne mehr gesehen. Erlebt. Nichtsdestotrotz: Anschauen auf jeden Fall; die Unterhaltung besteht aus augenzwinkernden Pep & Pop, bedient den lustigen Schnellaugenverzehr und sorgt für launige Laune (= 3 1/2 PÖNIs).