GRAND PIANO – SYMPHONIE DER ANGST

Sein Name: EUGENIO MIRA. Die ersten beiden Filme des am 23. September 1977 in Katalanien geborenen spanischen Regisseurs waren „The Birthday“ und „Agnosia – Das dunkle Geheimnis“, stammen von 2004 und 2010 und kamen hierzulande gleich im Heimkino heraus. Und auch das dritte „spezielle“ Movie dieses noch zu entdeckenden hochinteressanten Spannungskünstlers hatte soeben bei uns im Heimkino deutsche „Uraufführung“. Vorab-Fazit: Da hat sich das hiesige Kino einen superben, kitzligen Spannungsleckerbissen entgehen lassen:

GRAND PIANO – SYMPHONIE DER ANGST“ von Eugenio Mira (Spanien/USA 2012; B: Damien Chazelle; K: Unax Mendia; M: Victor Reyes; 90 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 08.05.2014)

Tom Selznick (ELIJAH WOOD) ist ein sowieso schon überreichlich nervöser Typ. Nun aber hat es ihn voll-panisch „erwischt“. Tom ist Star-Pianist. Hat sich nach einer fünfjährigen (Zwangs-)Pause bereit erklärt, an den Konzertflügel zurückzukehren. Um gemeinsam mit einem großen Orchester – und zu Ehren seines ehemaligen Lehrers und Mentors – eine Komposition zu spielen, die da heißt „Das unspielbare Stück“. Entsprechend „baut“ ihn Kollege Frank denn auch auf: „Man kann solche Stücke nicht spielen, ohne mal ´ne falsche Taste zu erwischen“. Und genau darum geht es hier: Tom, der ehrgeizig Labile, will das Unmögliche versuchen und eine vollends fehlerfreie Performance hinkriegen. Allerdings geht es ihm dabei nicht nur um seinen guten Ruf, sondern – sein öffentlicher Auftritt im vollbesetzten Auditorium wird sogleich zu einem Spiel um Leben und Tod. Denn als er seine Partitur öffnet und sie weiter durchblättert, findet er in blutroter Schrift „merkwürdige“ Texte zwischen den Noten. À la: EINE FALSCHE NOTE UND SIE WERDEN STERBEN! Oder: WENN SIE NACH HILFE RUFEN, SCHIESSE ICH IHNEN ZWISCHEN DIE AUGEN. = PLAY THE PIANO =

Ein Unbekannter, der sich offensichtlich im Saal versteckt hat, fordert ihn zur „Höchstleistung“ auf, zur „makellosesten Darbietung ihres ganzen Lebens“. Tom ist ebenso aufgebracht wie völlig fertig. Wie soll er es schaffen, unter solchen Bedingungen perfekt zu spielen? Zumal es immer „hitziger“ zwischen den beiden Kontrahenten wird. Zugeht. Weil dann auch seine bezaubernde, attraktive Ehefrau und Sängerin bedroht, mit-hineingezogen wird. Tom ist perplex. Aufgebracht. Wütend. Außer sich. Voller Angst. Und muss sich „dabei“ auch noch voll auf seine „Tasten“ konzentrieren. WIE SOLL DAS FUNKTIONIEREN? Überhaupt: Was soll das alles? Der Spaß eines Irren? Oder DIE tatsächliche Bedrohung? Und wenn ja, warum? Wieso? Worum geht es dem „Angreifer“ wirklich? In den kurzen Spielpausen ist Tom bemüht, „Klarheit“ zu erhaschen. Doch der anonyme Angreifer hat anscheinend alles perfekt geplant. Ist ihm ständig voraus. Überlegen. Dirigiert ihn permanent dorthin, wo ER ihn „hinhaben“ will. Die Emotionen brodeln. Auch bei uns Zusehenden… Der erste Mord ist ein Schock.

Was fällt einem hier nicht alles ein: Hitchcock meets „Nicht auflegen!“. Oder „Panic Room“ streift „Buried – Lebendig begraben“. Oder: „Speed“ am Klavier. Psycho-Spannung vom Feinsten. Und raffiniertesten. Ein Western- Fight über Klaviertasten. Verbal ausgetragen. Über „Verständigungsknöpfe“ in den Ohren. Völlig herrlich verrückt. Motto: SO ETWAS MUSS MAN SICH ERST EINMAL EINFALLEN LASSEN UND PLAUSIBEL UMZUSETZEN VERMÖGEN.

„Grand Piano“ ist ein atmosphärischer Thriller-Knaller. Ständig brodelnd wie packend dramatisch. Sowie darstellerisch ein brillanter Solo-Part vom „Herr der Ringe“-Frodo-Jüngelchen ELIJAH WOOD (inzwischen auch schon 34). Als gehetzter Tom-Virtuose, der eigentlich mit seinen eigenen seelischen Dämonen schon genug zu tun hat, muss er sich nun auch noch einem anonymen Angreifer alptraumhaft stellen. Diesen hochklassigen Schurken interpretiert der in den letzten Jahren vielbeschäftigte JOHN CUSACK, 46, zuletzt in „Motel Room 13“ stark präsent (bei uns kürzlich auch gleich im Heimkino gestartet), lange Zeit verbal (mit seiner ständigen deutschen Stimme ANDREAS FRÖHLICH), bevor er schließlich sichtbar wie handfest routiniert „argumentiert“. Wobei die Lösung, Auflösung, Drehbuch-Autor und Regisseur ein wenig „verdaddeln“. Da haben sie „was“ mit vielen Autoren und Filmemachern gemein: Eine gute, schlüssige Schlusspointe zu setzen, ist halt schwer. Dennoch schmälert dies letztlich nur wenig den insgesamt SEHR unterhaltsamen Gesamteindruck:

„GRAND PIANO“ ist ein exzellenter Heimkino-Spannungsknüller. Ein vorzüglicher Genre-Bonbon (= 4 PÖNIs):

Anbieter: „Koch Media“

 

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