Götz George

ZDF-Ratschlag für Kinogänger:
„DER BRUCH“ im Januar 1989

Berlin 1946. Die Stunde null ist vorbei, aber „Eins“ hat es auch noch nicht geschlagen. Man befindet sich noch in den ersten Neuanfangsversuchen, in einer Art Niemandsland, in dem aber schon einiges wieder funktioniert. Zum Beispiel die Reichsbahn. Die fährt schon wieder und bringt jede Woche viel Geld ein. Auf das hat es ein Gauner-Trio abgesehen das sich so kurz nach dem Elend nicht mit Brotkrumen abgeben will. Während drum herum gesoffen, gefressen, getanzt wird, wo möglich, und erste windige Geschäfte getätigt werden, wollen Graf, Lubowitz und vor allem Bruno Markward den Coup ihres Lebens vollbringen. Dabei kommt es
vor allem auf den Alten an, Bruno, einem Experten. Der hatte sich eigentlich schon aufs Altenteil vorbereitet und wittert für den Lebensabend die große Chance. Aber ein Einbruch bedeutete damals noch viele handwerkliche Mühen und Mitwisser.
So kommen die beiden jungen Maurer und Freunde Julian und Bubi mit ins Spiel.

Sie sind beide in die Friseuse Tina verliebt. Doch die lässt sich lieber vom Gigolo Graf mit Sekt, kleines, eingerichtetes Zimmer und Versprechungen umgarnen . Und so schließt sich der Kreis. Mit denen von der Polizei. Die ist zwar noch im kargen Neuformieren, aber immerhin schon vorhanden. Man hat zwar keine Ahnung und Ausstattung, aber jede Menge Improvisationsgeist.

Julian schließt sich ihnen an, während Bub auf der Gegenseite mitmischt Die Frauen bleiben Staffage, obwohl sie für entscheidende Schicksalsschläge mit sorgen. Der Coup klappt, aber viel freuen an dem vielen Geld können die Drei sich nicht. Zwar pflastern keine Leichen ihren Weg, aber reichlich Spuren, die auf sie verweisen. Typisch der Schluss. Lubowitz lässt sich vor einer großen Mauer einfangen. „Wo soll ich denn hin?“, sagt er, und zumindest in Ost-Berlin können die Leute darüber sehr lachen.

Apropos Ost-Berlin: „Der Bruch“ ist keine reine DDR-Produktion, sondern entstand mit Ost – und West-Geldern. Deshalb ist auch für Götz George der Film ein Politikum: „In erster Linie aber ist der Film eine Komödie. Was zum Amüsieren, zum Schmunzeln. Wobei die drei West/Ost-Stars Götz George, Otto Sander und Rolf Hoppe absolut dominieren. Für die anderen bleiben die Rollen der überzeugenden Stichwortgeber. Wo Wolfgang Kohlhaase, der gegenwärtig beste Autor der DDR und einst Verfasser des auch internationalen erfolgreichen Filmes „Solo Sunny“, schrieb ein gut
mundendes, mit feinen Pointen und einigem Wortwitz versehenes Drehbuch.

Das basiert auf einen tatsächlichen, spektakulären Nachkriegseinbruch bei der Reichsbahn. Frank Beyer, eine der Regie-Größen in der DDR, inszenierte routiniert. „Der Bruch“ ist ein solides Unterhaltungswerk, geeignet zum schnellen und nicht zum klassischen Gebrauch.