Gastkritik „Trolls“

Gastkritik von Dr. Rolf Giesen – Trolls

In Sachen ANIMATIONS-KINO haben wir den Experten Dr. Rolf Giesen um eine GAST-KRITIK gebeten.

TROLLS – FINDE DEIN GLÜCK“ von Mike Mitchell und Walt Dohrn (USA 2014-2016; B: Jonathan Aibel, Glenn Berger; K: Yong Duk Jhun; M: Christophe Beck; 93 Minuten; Start D: 20.10.2016);
Animation um Spielzeuge. Ein Film, der mit nichts anderem als dem Vorsatz hergestellt worden ist, Kohle zu machen. Nichts anderes war das Ziel. Er ist berechnend und geht auf Nummer Sicher, um sein Ziel, sich ganz oben in den Kino-Charts zu platzieren, zu erreichen. Denn DreamWorks Animation ist, trotz Erfolgen wie „Shrek“ und „Kung Fu Panda“ und trotz Einstiegs in China (Oriental DreamWorks Shanghai), eine Firma, bei der nicht viel schiefgehen darf. So entwickelte man diesen Film aus millionenfach verkauftem Spielzeug: animation out of merchandising.

Anders als bei Disney kommt nicht der Film zuerst und dann das Merchandising. Hier stand die Puppe am Anfang. Der dänische Holzschnitzer und Fischer Thomas Dam (1909-1986) hatte die Troll-Puppe 1959 als Weihnachtsgeschenk für seine Tochter gestaltet: den Zaubertroll, der als Good Luck Troll mit markant langem, buntem Haarschopf ab den frühen 1960er-Jahren auch andere Länder eroberte und als hässliches Gegenstück zu Barbie vor allem bei Mädchen beliebt war. In den USA gab es später viele Nachahmerprodukte. Aus Dams aufwändig gestaltetem Troll wurde ein „mädchenspezifisches“ Plastik-Ding. 2003 wurden die Trollpuppen von der Toy Industry Association in die Liste der hundert „schönsten“ Spielzeuge des 20. Jahrhunderts aufgenommen: Geschmackssache. 2013 erwarben Jeffrey Katzenberg und DreamWorks die weltweiten Bild- und Vertriebsrechte außerhalb Skandinaviens.

Die Filmversion ist seltsam gespalten: in einen niedlichen, lieben Teil mit den kleinen Wichten aus dem Regenbogenland, die an die Schlümpfe erinnern, und ein Gruselmärchen mit fiesen Freaks, den Bergens, die in einem Königreich leben, in dem alle immer missgelaunt sind (wie unsereins im Alltag) und nur einmal im Jahr glücklich sein dürfen: wenn sie Glücks-Trolle fressen. Sicherheitshalber verpflichtete DreamWorks für die sprichwörtlich haarsträubende Geschichte von einigen Trollen, die ausziehen, ihre Kameraden zu retten, damit sie nicht in einem Monstermagen enden, als Stimmen Anna Kendrick und Teenie-Schwarm Justin Timberlake, der auch den Soundtrack zu dem Film geschrieben hat (Can’t Stop the Feeling). Die deutschen Zuschauer haben, was das angeht, das Nachsehen oder besser: das „Nachhören“. Sie müssen sich mit teilweise eingedeutschten Songs begnügen und mit Lena Meyer-Landrut, die statt Kendrick die Troll-Prinzessin Poppy spricht und singt, und einem gewissen Mark Foster, der ihren übellaunigen Troll-Kumpel Branch synchronisiert.

Ich bin offensichtlich nicht auf dem Laufenden. Timberlake war in Berlin, um den Film zu promoten, aber von diesem Foster habe ich noch nie gehört. Ich habe mich sachkundig gemacht und erfahren, dass von Marks Single „Au Revoir“ 900.000 Exemplare verkauft wurden. Also muss er über eine Fangemeinde verfügen, die sich in Deutschland den Film ansieht. Das alles definiere ich als berechnend. Herausgekommen ist ein elend langweiliger, technisch und künstlerisch uninteressanter Animationsspielfilm, den niemand gesehen haben muss.

Jemand hat mal gesagt, ein Film könne keine Längen haben. Dieser hier hat sie. Das alles hätte man auch in 20 Minuten und mit mehr Tempo erzählen können. Die Songs kann man sich ja gern anderweitig besorgen.