Friedemann Schulz

TIP-Interview mit Friedemann Schulz im Februar 1982

Jahrgang 1945, hat 68 zusammen mit Freunden mit einer geliehenen 16mm­ Kamera angefangen, kleine und kurze Filme zu machen, erste Versuche eben: war damit in Oberhausen, Mannheim und Hamburg, hat zunächst in einem Hamburger Gaswerk gearbeitet, in der Abendschule das Abitur nachgeholt und Psychologie-Studium mit Diplom abgeschlossen, während des Studiums mit der Filmerei angefangen.

TIP: Was hat Dich beim Filmen anfangs am meisten fasziniert?

Schulz: Ich glaube, das war die Technik. Ich wollte von vornherein nicht so etwas Eindeutiges oder Eingleisiges zu machen, das ist so ein Tick von mir. Wenn ich auf die Filmhochschule gegangen wäre, das wäre mir zu eindeutig gewesen. Dann wäre ich nämlich in der Kiste drin gewesen. Ich hatte damals unheimliche Außenseitergefühle und bezog von daher meine ganze Kraft.

TIP: Was hast Du dann mit Deinem Psychologiestudium angefangen?

Schulz: Ich hab ein paar Jahre als Psychologe in Hamburg gearbeitet und habe in dem Job sogar sowas wie eine kleine Karriere gemacht, aber irgendwie saß ich da nie hundertprozentig drin. Und das fand ich sehr positiv.

TIP: Bist Du so ein unruhiger Mensch?

Schulz: Nein, ich wollte einfach nicht so das Typische machen. Denn wenn ich schon mal drin bin in einer Sache, dann kann ich mich nicht mehr so frei entwickeln. Deswegen lege ich immer die Bremse ein, wenn ich irgendwo zu stark reingezogen werde, um mich selbst nicht zu sehr darin zu verlieren. Das ist ein waghalsiges Spiel zwischen Anpassung und Extratouren.

TIP: Bist Du immer noch mit dem gleichen Team zusammen, mit dem Du damals mit der Filmerei angefangen hast?

Schulz: Nein, nein, da macht jeder inzwischen was anderes, einige machen Musik, andere sind brave Angestellte geworden, ich bin der einzige, der bei diesem Gag mit der Filmerei hängengeblieben ist. Ich musste früher die Leute immer überreden und motivieren, bei einem Film mitzumachen.
Und das ist das Tolle jetzt bei der professionellen Arbeit, man muss
das Team nicht mehr motivieren, da weiß jeder, wozu er da ist. Die müssen gut sein und wollen ja auch gut sein, von der Beleuchtung bis zum Schnitt.

TIP: Wie habt Ihr denn Eure früheren Filme finanziert?

Schulz: Das war ganz einfach: wir sind zu den verschiedenen Produktionsfirmen gerannt und haben dort gefragt, ob sie überlagertes Filmmaterial haben. Das haben wir dann meistens geschenkt bekommen. Die Kamera kosten so etwa zehn DM Leihgebühr am Tag, naja, da kostete eben jeder Film mit allem drum und dran so 500 bis 600 Mark, den Betrag haben wir zusammengeschmissen. Das waren so kurze Spielfilme, mit denen wir die Strukturen von Kinofilmen reflektieren wollten. Außenseiterfiguren so wie Django waren unsere Helden, trotzdem wollten wir solche Figuren niemals analytisch durchleuchten. Die Filme kamen auf den verschiedenen Festivals ganz gut an, aber irgendwann merkte ich, dass das so nicht mehr weitergeht. Das war so 73/74, da waren ganz bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen zu Ende und ich hab dann was anderes gesucht. Ich habe vier, fünf Drehbücher geschrieben, viele kurze Sachen und hab die wirklich überall angeboten. von daher bin ich im deutschen Kulturbetrieb schon ziemlich bekannt, weil es so gut wie keinen Fernsehredakteur mehr gibt, der irgendwas von mir abgelehnt hat.

TIP: Ist das nicht sagenhaft frustrierend?

Schulz: Ja, unheimlich. Das ging ja über einige Jahre so, dass ich mit meinen Sachen nur Rückschläge erhalten habe. Erst der Rundfunk interessierte sich für meine Sachen und dann habe ich halt eine Zeitlang Hörspiele gemacht. Zum Beispiel ist der Film jetzt schon vor zwei Jahren beim Südwestfunk als Hörspiel gelaufen. Aber diese Hörspiel-Arbeit habe ich nur als Möglichkeit, als Sprungbrett gesehen, denn ich halte mich eher für einen visuellen Menschen.
Wegen der ständigen Enttäuschungen mit dem Fernsehen bin ich schließlich so weit gekommen, dass ich einen eigenen Film so wie in den alten 65er Tagen machen wollte. Ich fragte meine Freunde, ob sie Lust haben, mitzuhelfen und mit ein paar Mark einzusteigen. Ich habe selbst einen Kredit aufgenommen und wollte dann mit Super 8 loslegen und den Film später auf 16mm aufblasen lassen.

Dann kam plötzlich Post vom Kuratorium junger deutscher Film, an das ich mal auf Anraten von Freunden geschrieben hatte. Das hatte ich aber schon längst wieder vergessen, als die plötzlich 40.000 DM zur Verfügung stellten. Nun ja, die Freude war groß, ich fand, dass ich genug Geld hatte und fing an, die Dreharbeiten konkret vorzubereiten. Alles war klar, ich hatte auch schon den Hauptdarsteller gefunden, da haben sich plötzlich Produzenten gemeldet. Wodurch die mich und mein Projekt kannten, wusste ich nicht, vielleicht durch eine Indiskretion vom Kuratorium, jedenfalls stritten sich nun zwei Produzenten um den Stoff. Ich stand da so ein bisschen dazwischen, denn für mich war es ein ganz kleiner Film, ich hätte ja auch ohne sie gedreht. Aber trotz der Angst, mich von den ganzen Sachzwängen auffressen zu lassen, wollte ich den Film dann doch so professionell wie möglich machen und mich den ganzen Eigenheiten ausliefern.

TIP: Also hast Du Dich für eine Produktion entschieden, damit es endlich losgehen konnte?

Schulz: Ja, das war dann die Solaris in München. Aber es ging beileibe noch nicht sofort los. Ein Vierteljahr lang fingen die dann erstmal an, zu prüfen, ob und mit welchen Mitteln der Film überhaupt gemacht werden kann. Das stand also immer noch nicht fest, obwohl jetzt von überall Geld zusammenkam. Aber schließlich war dann sogar rund eine Million da.

TIP: Also ist es dann auf einmal genau andersrum gelaufen. Plötzlich kamen alle zu Dir und wollten einsteigen. Das ist doch eine sehr erfreuliche Sache.

Schulz: Und ungewöhnliche, ja. Ich habe dadurch eine tolle Selbstsicherheit gewonnen, ich wusste auf einmal, ich kann den Film in jedem Fall machen.

TIP: Von Anfang an: Wie ist denn die Idee zu dem Film entstanden?

Schulz: Sehr spontan eigentlich. Ich hab mal irgendwo so einen Jugendlichen gesehen, der so eine Waschstraße bedient. Und der machte auf mich einen unheimlich souveränen und starken Eindruck. Und ich finde, dass unheimlich viele Jugendliche in dieses „No Future“-Klischee hineingezogen wurden, dass das gar nicht von ihnen selbst kam. Auch bei meiner Arbeit in der Praxis bin ich immer wieder mit jungen Leuten zusammengetroffen, die sagten, wir möchten eigentlich was machen, gar nicht so schlaff, wie das immer dargestellt wird.

TIP: Hängt das vielleicht damit zusammen, dass Du in einer Kleinstadt wohnst?

Schulz: Nein, das glaube ich nicht. Ich kenne mich in Hamburg ebenso gut aus und finde, dass das immer nur Minderheiten sind. Ich interessiere mich sowieso viel mehr für den einzelnen, für ein individuelles Schicksal, ganz gleich, ob das jetzt typisch für eine gewisse Strömung ist oder sonst überhaupt nicht mehr vorkommt.

TIP: Das passt aber in keine Schublade rein, denn Kino mit Gefühl oder Kino über Individualismus, das gibt es bei uns eigentlich kaum.

Schulz: Genau das habe ich auch festgestellt. Und gegen diesen Trend, der vor allem im Fernsehen vorkommt, wollte ich arbeiten. Da werden immer so Themenfilme gezeigt, die irgendein bestimmtes Zeitgefühl repräsentieren sollen. Und ich will jemanden zeigen, der einsam ist, stark ist und versucht, sich gegen Zeitgefühle souverän zu behaupten.

TIP: Sind diese Einzelkämpfer denn wirklich so selten?

Schulz: Nein, ich glaube auch, dass es von denen eine ganze Menge gibt, mehr als wir denken.

TIP: …weil von denen weniger gesprochen wird.

Schulz: Ja, da unterliegen wir dem Effekt von den Massenmedien, den man in der Soziologie Labeling nennt, dass man alles nur noch zu großen Begriffen zusammenfasst.

TIP: Du musstest Dich ja auch um die Innenwelt Deiner Hauptfigur kümmern. Wie bist Du da rangegangen? Du bist ja ein ganz anderer Jahrgang als die, die Du beschreibst.

Schulz: Ich glaube nicht, dass das ein jugendtypisches Gefühl ist, was der Junge verkörpert. Das hat es in allen Generationen gegeben und hängt nicht von chronologischen Altersgrenzen ab.

TIP: Also doch ein klassischer romantischer Einzelgänger, wie wir ihn aus dem Kino kennen.

Schulz: Also, ich würde ihn nicht als eine romantische Figur bezeichnen. Eher als einen harten Typen, der versucht, seine Gefühle im Griff zu haben. Und er ist dabei so ein bisschen spröde.

TIP: Wenn jemand damit beginnt, sein Leben durch Schreiben in den Griff zu bekommen und aufzuarbeiten, ist das nicht ein bisschen exotisch?

Schulz: Statistisch gesehen, bestimmt. Aber Schreiben kann ja auch für denken stehen, seine Lage reflektieren. Also das, was wir auch in der Musikszene haben, dass Leute ganz narzistisch in sich selbst versinken, das ist natürlich wahnsinnig unkommunikativ. Und so ist es bei dem Jungen halt auch. Ich würde sagen, sein Schreiben steht für so viele innere narzisstische Prozesse bei Jugendlichen.

TIP: Optimismus ist ja kein gängiger Tenor, normalerweise ist ja gerade Pessimismus angesagt. Aber der Junge gibt ja nie auf.

Schulz: Ich habe in einer Kritik gelesen, das sei ein Film gegen
No Future. Das stimmt auch nicht, denn der Film setzt sich ja nicht programmatisch gegen oder für etwas ein, das wäre ja wieder ein Themenfilm. Es ist ein Film über ein Individuum und das ist alles. Wovor ich wahnsinnige Angst hätte, ist, dass der Film jetzt als Aufbaufilm für Jugendliebe verkauft wird, also Beifall von der falschen Seite zu kriegen. Das könnte dann ein Film vom Bundesgesundheitsministerium sein, aber nicht meiner.

TIP: Man denkt ja im Film oft Reaktionen voraus. Man denkt, jetzt müsste er so und so reagieren und das kommt dann aber nicht. Man stellt ihn in die No Future-Ecke, das stimmt aber nicht. Man denkt, der müsste jetzt eigentlich Selbstmord begehen, das tut er aber auch nicht. Man denkt, er würde den großem Erfolgsweg gehen als Literat, aber das kommt auch nicht. Er ist also in der Tat nicht einzuordnen.

Schulz: Das finde ich zum Beispiel bei Büchern am spannendsten, wenn es da ständig unvorhersehbare Wendungen gibt.So schreibe ich auch, und wenn ich schreibe, weiß ich selbst nicht genau, wie das Ding zu Ende geht Ich habe also kein Thema, kein Konzept vor Augen, sondern ich arbeite mich vor. Das ist auch für mich spannend, mit dem Entstehen einer solchen Geschichte zu leben, weil ich selbst noch nicht weiß, wie es ausgeht.

TIP: Im Presseheft schreibst Du: Nicht erst seit den Filmen von Howard Hawks haben mich Profi-Haltungen fasziniert.

Schulz: Profi-Haltungen, das heißt für mich, dass jemand volles Risiko eingeht. Irgendwas macht und dabei genau weiß, er kann sich auch das Genick brechen. Die Postflieger in dem Hawks-Film wissen das auch ganz genau. Das ist ihr Job, ihr Risiko, das sie täglich eingehen. Und unter Profi-Haltung verstehe ich auch, dass sie nicht dauernd über ihre Gefühle sprechen. Das ist das Risiko des Lebens, irgendwas zu machen und das voll zu machen. Es gibt keine Absicherungen und dieser Junge will auch keine Absicherungen.

TIP: Ich finde die Rolle der Rosemarie Fendel wahnsinnig faszinierend. Am Anfang muss man denken, oh Gott, jetzt kommt irgendwas schlüpfriges, aber dann kommt doch alles anders und man tut sich schwer, das zu begreifen.

Schulz: Ja, das ist eine Frau, die 1945 einmal sehr starke Hoffnungen hatte, als alles wieder anfing. Da war sie in dem Alter, von dem wir fühlen, dass das jetzt der Benjamin/Peter hat. Dann ist sie ihren Weg gegangen, ist innerlich verkrustet, lebte nur noch ganz pragmatisch von heute auf morgen. Also ohne Reflektion, wie diese Generation heute vor sich hinlebt. Und als sie plötzlich ganz stark wieder mit dem Jugendgefühl, das sie ja auch mal gehabt hat, konfrontiert wird, wird ihr klar, dass sie schon lange tot ist, dass sie schon lange den falschen Weg gegangen ist.

Das ist eine Depression, die latent vorhanden war, und zu dem Zeitpunkt einsetzt. Als die alten Germanen früher merkten, dass ihr Leben abgelaufen war, dass sie keine Zähne mehr hatten und so, dann
sind sie an einem nebligen Tag ins Moor gegangen und haben sich ganz langsam wegsinken lassen. Und sowas ähnliches macht sie auch. Wir kennen ja den Begriff, in einem Mauseloch verschwinden oder wo ähnlich, sich in Luft auflösen. Und das ist ein Depressionsgefühl, wo man einfach weg sein möchte, ohne Probleme für die Nachwelt zu hinterlassen.

TIP: Warum hast Du ihr nicht ein bisschen Kraft gegeben, warum kann sie keine Chance bekommen und aus der Begegnung mit dem Jungen lernen und Mut fassen können?

Schulz: Also so romantisch, das läuft bei mir nicht. Das wäre überzogen, so etwas gibt es einfach nicht Man stößt ja selbst immer wieder auf Grenzen, die den Tod oder das Leben bedeuten.

TIP: Der Benjamin Völz ist ja fast in jeder Einstellung dabei. Wenn der nicht funktioniert hätte, wäre der ganze Film baden gegangen.

Schulz: Ja, das habe ich auch vorher gewußt. Mit dem Benjamin habe ich einen sagenhaften Glücksfall gehabt. Ich hab den per Zufall kennengelernt, und mich fasziniert so an ihm, dass er privat auch nicht den geraden Weg geht. Er konnte jetzt ja als Schauspieler voll einsteigen, so wie es die Beate Finckh gemacht hat. Aber der Benjamin, der ist auch Musiker, möchte eigentlich lieber Musik machen und spielt nur mal so nebenbei, auch im Fernsehen und geht auch nirgendwo eindimensional.

Er konnte sich also viel mit der Rolle identifizieren und über diese Einstellung zum Leben sind wir beide auch so hervorragend miteinander klargekommen. Wir kamen am Drehort ohne viel Worte miteinander klar, er wusste sofort, wie ich es von ihm haben wollte, er war ein richtiger Partner.

TIP: Welche Rolle spielen denn die Gefühle in Deinem Film?

Schulz: Das ist das, was Kino ausmacht. Wenn zwischen zwei Figuren was passiert, wenn die Gefühle haben und dem Zuschauer vermitteln können, Oft sind das nur ganz einfache Gefühle, aber wenn wir an „Casablanca“ und ähnliches denken, das sind oft hundsgemein sentimentale Sachen, die da drinstecken, aber dadurch ist der Film so bekannt, so erfolgreich geworden. Und wenn Du sowas siehst, erlebst Du ein Mitgefühl, das weiß man aus der Psychologie, wenn also auf der Leinwand geweint wird, kann das sein, dass Du auch weinst, und irgendwie ist es tatsächlich immer Dein eigenes Gefühl, was Du erlebst im Kino. Blicke, Sprache und auch die Pausen, die lösen sowas bei Dir aus.

TIP: Ich fand die Beate Finckh schon in „Desperado City“ sensationell und hier jetzt auch wieder. Sie strahlt eine ungeheure Vitalität und auch Zärtlichkeit aus. War es Dir klar, dass Du sie mit der Rolle besetzen wolltest?

Schulz: Als ich die Rolle besetzte, gab es den Film „Desperado“ noch nicht, ich hatte sie nur auf ein paar Schwarzweißfotos gesehen. Und als ich dieses Gesicht sah: trotzig, stark und trotzdem irgendwie zerbrechlich, wusste ich sofort: das ist sie. Und es war aus technischen Gründen überhaupt nicht leicht, sie für den Film zu kriegen, aber ich habe mich durchgesetzt.

TIP: Mit den Eltern des Mädchens habe ich so meine Probleme gehabt.

Schulz: Das sind so Eltern mit einem bestimmten Erziehungskonzept, das zum Beispiel stark durch 68 geprägt ist: also Liberalität und sich-entwickeln-lassen und solche Geschichten. Aber im gezeigten Konfliktfall,
wo das Mädchen auf einmal nicht mehr den Vorstellungen der Eltern entspricht, erweist sich diese Haltung als sehr porös und dünn. Die Eltern versagen also nicht zuletzt vor sich selbst. Das ist vielleicht auch ein bisschen typisch für das Praxisversagen der Leute, die 68 ihren Kopf voller Ideale hatten.

TIP: Gehst Du eigentlich selbst oft ins Kino?

Schulz: Klar gehe ich ziemlich oft ins Kino, wobei mich Themenfilme und Interessenfilme am wenigsten interessieren.

TIP: Dann kannst Du aber nicht sehr häufig ins Kino gehen!

Schulz: Naja, es geht. Ich sehe mir unheimlich gerne Filme von Melville an, seine Stilisierungen rühren mich unheimlich an. Von den deutschen Filmen sehe ich mir ungefähr alles an, denn mich interessiert es schon, was hier für Filme gemacht werden. Aber dass ich so richtig umfalle, das ist mir in einem deutschen Film bis jetzt noch nicht passiert. Herzog mag ich unheimlich gerne, zu Fassbinder fällt mir dagegen überhaupt nichts ein. Ich selbst kann mich nicht so gut in die Reihen der neuen deutschen Filmemacher eingliedern, ich muss mich da höchstens in irgendeine entlegene Ecke verkrümeln.

TIP: Wie siehst Du Deine eigene Zukunft als Filmemacher?

Schulz: Ich hätt riesige Lust, mich an einem Krimi-Thema zu versuchen. Aber das ist in Deutschland so eine Sache. In Deutschland sind die Leute durch ihren Freitagabend-Tatort in der Glotze schon so geprägt, dass man sich bei den Produzenten unmöglich mit einem Stoff durchsetzen kann, der die dort gezeigten Klischees verlässt. Das lässt sich nicht verkaufen, sagen die. Naja, man wird sehen. Ich arbeite da gerade an einem Stoff über einen Typ, der Schriftsachbearbeiter, also Psychologe, beim BKA ist. Und der interessiert sich auf einmal für eine Figur, die er durch seine Analyse zu Fall gebracht hat, mehr, als ihn das von Berufs wegen interessieren müsste. Und auf einmal kommt er von einer Dienstreise nicht mehr zurück, lernt neue Dinge kennen, interessiert sich immer weniger für sein altes Leben, wird so langsam zum Außenseiter und sehr einsam.

TIP: Im Presseheft steht, Du würdest jetzt einige Szenen anders machen. Warum und welche?

Schulz: Ich würde, glaube ich, den Schluss jetzt anders machen. Ich würde einen anderen Ort wählen, nicht mehr die Waschstraße, vielleicht lieber eine Würstchenbude. Der Polizist und die beiden Jungs könnten sich lockerer begegnen, weniger programmatisch. Der Film müsste so aufhören, dass man sich gut vorstellen kann, die Kamera braucht nur um die Ecke gehen und dann spielt der Film da weiter.