Francis Veber

Übersetzung des Interviews mit Francis Veber zum Film „Das Bankentrio“ im April 1989

Frage 1: Amerikanische Schauspieler?

Die amerikanischen Schauspieler sind enorm professionell. Ich war überrascht, wie intensiv Nick Nolte an seiner Rolle arbeitete schon bevor wir drehten. Er stellte mir Fragen über den Charakter den er spielen sollte, er las Bücher über Ex-Sträflinge, weil er diese Rolle im Film spielt. Er wollte alles möglichst wahrheitsgetreu darstellen, also las er viel und gab auch seinem Partner Martin Short Bücher. Ich war schon sehr erstaunt darüber, wie ernst er das ganze Unterfangen nahm. Dabei ist es eine Komödie. Aber er wollte ein fundiertes Wissen haben, bevor wir mit den Dreharbeiten anfingen.

Frage 2: Anforderungen an Schauspieler in Filmkomödien?

Meines Erachtens muss man Komödien ganz nüchtern spielen. Man sollte in einer Komöödie niemals versuchen, komisch zu sein. Ich bin nicht der Einzige, der das denkt. Ich habe hier in Amerika viele Komödien gesehen, in denen sind die Leute ganz ernst. Aber die Situation, in der sie sich befinden, ist verrückt. Das kann ich gut leiden. Alles andere ist Quatsch. Man sollte niemals einen Schauspieler auffordern, in einer lustigen Situation komisch zu wirken. Als ich mit Martin Short arbeitete, bat ich ihn, todernst zu sein. Ich hoffe, das Resultat ist lustig.

Frage 3: Zusammenarbeit mit Martin Short

Es war eine gute Zusammenarbeit mit ihm und er hat eine Qualität, die nur sehr wenige besitzen. Er hat eine körperliche Komik. Er kann mit seinem Körper erstaunliche Dinge vollbringen. Und er ist eine Rarität, die es in Amerika nicht mehr gibt, er ist ein kleiner Mann. Es gibt überall große Jungs, die witzig sind. Chevy Chase ist z.B. so einer. Bill Murray ist ein großer Bursche. Dana Cow ist auch riesig. Und Martin Short erinnert mich an den jungen Jack Lemmon. Nicht so ein lustiger Riese. Ich wollte vor diesen harten, schweren Nick einen kleinen lächerlichen Mann haben. Und ich hatte ihn in Martin. Er ist einfach wunderbar!

Frage 4 : Unterschiede bei Dreharbeiten in USA und Frankreich?

Zuerst lernte ich, dass das Tempo bei den Dreharbeiten in Amerika viel schneller als in Europa ist. In Amerika wird viel mehr Filmmaterial verbraucht. Das heißt, dass man in der Fertigstellung des Films mehr Möglichkeiten hat, noch ein schnelleres Tempo zu erzielen. Denn das amerikanische Publikum ist an eine größere Geschwindigkeit gewöhnt, anders als die Europäer. Das ist die eine Sache, die ch lernte. Bei den Schauspielern fiel mir auf: The show must go on, die Show muss weitergehen. Es gibt da eine Szene im Film, in der bringt Nick Martin zur Polizeistation. Und Martin soll versuchen wegzurennen. Plötzlich fiel er hin, aber der Film lief noch. Nick grabschte ihn am Regenmantel und schleifte ihn in einen Seitengang. Der war bestimmt 50 yards lang. Das hat mich verblüfft. Aber: The Show must go on.

Martin verhielt sich dabei wie eine Puppe. Und dann sagte ich „Schnitt“. Sie standen auf, und alles war o.k.. Martin war überhaupt nicht verletzt: Sie hatten weitergearbeitet! In Frankreich hätte ich, sobald jemand hinfällt, „Schnitt“ gesagt. Aber nicht in Amerika, hier tut man das nicht.