FIGHTING GAMES

„FIGHTING GAMES“ von Peter Murphy und Rachael Moriarty (B + R; Irland 2015; K: Peter Robertson; 90 Minuten; dtsch. Heimkino-VÖ: 6.7.2017); Irland ist ein schönes Land. Für Touristen. Motto: Die Schönheit und Wildheit der Landschaft. Die herrlichen Nationalparks. Das Wasser: Im Osten die Irische See; der Atlantik im Westen und Süden. Das schmutzige, abartige Irland: HIER. Wie vielerorts auch: Die Perversion durch das GELD. Wir befinden uns mitten in der Wirtschaftskrise. Auch bei Bankern beginnt das große Zittern. Stichwort: von wegen Entlassungen. Drei von ihnen lernen wir kennen; gerade noch in Saus und Braus gelebt, jetzt wurden sie „entfernt“; einer fährt gleich gegen einen Baum; will den sozialen Abstieg nicht akzeptieren. Erleben. Lieber mit nichts sterben als mit zu wenig leben. Zwei bleiben übrig: Harry (KILLIAN SCOTT) und Vernon (JOHN BRADLEY). Und dieser kleine gewitzte pummelige Vernon hat eine „glänzende“ Geschäfts-Idee. Wie er glaubt. Um Überlebens-Money zu scheffeln. Motto: Ein neues Spiel. Präziser: Ein Duell. Zwei – aus dem Online – treffen sich irgendwo abgelegen, mit zwei grünen, aber vollen Taschen. In denen befindet sich jeweils derselbe, vorher ausgemachte Geld-Betrag. Dann wird eine Grube gemeinsam gebuddelt, wo der spätere Verlierer „‚reinkommt“. Dann „kämpft“ man gegeneinander. Wie gesagt: der tote Verlierer, ab in die Grube; der Sieger geht mit zwei vollen Taschen nach Hause. 100% Profit. Steuerfrei.

Harry ziert sich. Anfangs. Dann aber „steigert“ sich das Interesse; schließlich besteht seine Bank auf die Weiterzahlung seiner Kredite. Für seine Luxus-Behausung. Also macht er kurz mal mit. Quasi auf Probe. Und findet Gefallen am Gewinn(en). Doch wie gesagt: Vernon erweist sich als ziemlich miese Gier-Raupe, lässt sich nicht abschütteln, zumal Harry nun auch mit dessen Freundin „scharwenzelt“. Es wird grob, um es freundlich zu sagen. Mit immer Mehr-Personal. Die „mit-gewinnen“ wollen. Natürlich wird es gemeiner und immer blutiger. Zumal sich „die Kandidaten“ im Internet drängeln. An diesem „Fifty-Fifty-Spiel“ wollen viele teilnehmen. Und gewinnen. Während Harry, langsam, aber bestimmt, „süchtiger“ wird. Und Vernon fies trickst.

Ein brutales Low Budget-Entertainment. Spannend. Zynisch. Abartig-„normal“. Man „gewöhnt“ sich tatsächlich an dieser Art von brutaler, ekliger, mörderischer wie schneller Gelderwerbsmöglichkeit. HEUTZUTAGE. Zieht sie tatsächlich in Betracht als Warum-Nicht-Real-Chance. Akzeptiert diese Übelkeit = im Film. Quasi „selbstverständlich. „Traders“, so der Originaltitel, „Händler“, spielt fiktiv wie hochdramatisch und teuflisch mit der absaufenden Moral einer vermeintlich integeren Gesellschaft, in der nur noch VIEL GELD zählt. Von Wichtigkeit ist. Nur fiktiv? Gefühlt wie gedanklich scheint mir der konsequent-brutale Thriller gar nicht mehr so weit weg von einer möglichen „Wirklichkeit“: Will sagen, „Fighting Games“ „benimmt“ sich durchaus im rasanten Machbarkeits-Bereich einer Demnächst-Vorstellbarkeit. Einer baldigen skrupellosen, gierig-„spielerischen“ gesellschaftlichen Tatsächlich-Möglichkeit. Die zunehmende Spirale der Gewalt-dabei ist schon okay. „Gutes Sieger-Leben“ beinhaltet eben auch „Risiken“. Oder? Etwa nicht?

„FIGHTING GAMES“ ist ein durchschüttelndes, prächtiges, fiebriges B-Movie, das sowohl atmosphärische wie handfeste wie gedankliche wie konsequent-aggressive A-Qualitäten besitzt. Die beiden Säue an der Rampe, Harry & Vernon, treten großartig-„plausibel“ auf, wobei neben KILLIAN SCOTT („71“) vor allem „Satanist“ JOHN BRADLEY  – bekannt als Samwell Tarly aus der Erfolgs-TV-Serie „Game of Thrones“ –  in seinem ersten „großen“ Kino-Spielfilm-Auftritt als Vernon erstklassigen dämonischen Ekel zu verbreiten vermag. Was für ein toller mieser „Normal“-Typ-Part!

Wie das (unbekannte) Regie- und Autoren-Paar PETER MURPHY und RACHAEL MORIARTY übrigens im „Making Of“-Bonusmaterial (= deutsch untertitelt) zu berichten weiß, war eine der schwierigsten Aufgaben-hier, außer mit der obligatorischen Drehzeit-Not klar zu kommen (insgesamt „bekam“ man 22 Tage von den Geldgebern zugebilligt), „viele richtig schreckliche Toiletten“ aufzuspüren, „mit schäbigen Fliesen und tropfenden Spülkästen“, in denen sich die jeweiligen Kontrahenten zu ihren Vorgesprächen treffen.

Ebenso raffiniert wie brutal (FSK: die Uncut-Version ist ab 18 Jahren freigegeben): „FIGHTING GAMES“ ist eine düster-aktuelle Bitter-Klasse-Heimkino-Entdeckung (= 4 PÖNIs).

 

Anbieter: „Tiberius“.