Spiel mir das Lied vom Kino

Ich bin vernarrt…in SEINE FILMMUSIK. Seit ich DIE 1964 das erste Mal vernommen habe (im ersten Sergio Leone-Western „Für eine Handvoll Dollar“), gab und gibt es kein emotionales Halten mehr, wenn es im Filmvorspann heißt – Musik: ENNIO MORRICONE. Hunderte von originalen Morricone-Tonträgern (vornehmlich Schallplatten, aber auch viele CDs) wurden über Jahrzehnte weltweit besorgt und zu einer Morricone-Sammlung verewigt.

Am 10. November 2013 ist er 85 Jahre alt geworden. Am 07. Dezember 2013 wurde er mit dem EUROPÄISCHEN FILMPREIS 2013 geehrt. Am Dienstag, den 11. Februar 2014 (mitten während der 64. Berlinale) kommt er mit 160 Musikern und zahlreichen Sängern zu einem einmaligen Konzert nach Berlin. Nachfolgend einige Texte von der einstigen Berichterstattung über D E N MEISTER DER FILMMUSIK überhaupt:

 

„SPIEL MIR DAS LIED VOM KINO“
Ennio Morricone
Eine Sendung von Hans – Ulrich Pönack (09.01.1975, 20:00 – 21:30 Uhr, RIAS Berlin)

 

Eine Bassgitarre wummert durch den Hall-Saal, während Charles Bronson den Kopf gen Westen reckt. Violinen surren drohend wie lästige Fliegen, die den Tod unter den Flügeln tragen. In die flimmernde Wüstenspannung peitscht der Schuss einer vollen Orgel, die ihre Choralpassagen wie die Frevelgesänge eines entglittenen Kirchendieners setzt. Chöre, Bläser und steile Celli schnauben eine düstere Fanfare in den Sonnenuntergang. Ennio Morricone, der Meister der Sound-Verfremdung, hat wieder ‚zukomponiert‘.

Wie raffiniert der klassisch trainierte italienische Filmmusik-Spezi die Klangakzente setzt! Herkömmliche Instrumente werden in Echokammern breitgeputscht oder unnatürlich dröhnend in den Vordergrund gemixt. Abrupte Melodiebrüche, überraschender Wechsel der Spielgeräte und schwerlastige Melodien voll grausamer Schönheit haben Filmen wie „Für eine Handvoll Dollar“, „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Der Coup“ unvergessliche Soundtrack-Akzente gegeben.

Ennio Morricone ist der wohl einfallsreichste Kinoton­ Musiker der Gegenwart, der als Spezialist für Western-Sounds gilt. Unvergesslich ist die lauernd-einsame Harmonika, die Bronson auf seinen Blutspur-Weg durch das Land der Gesetzlosigkeit und Verlorenheit führte‘. Aber der bebrillte Oberlehrer-Typ aus Rom hat auch Krimis, Sozialdramen („Sacco und Vanzetti“), Wildwest-Klamotten (“Mein Name ist Nobody“) und Abenteuer -Epen („Das rote Zelt“) akustisch untermauert.

Morricone erschafft schön-intelligente Filmmusik, die auch im akustischen Alleingang für kritische Ohren durchaus hörenswert ist.