EIN CHANSON FÜR DICH

„EIN CHANSON FÜR DICH“ von Bavo Defurne (Co-B + R; Belgien/Luxmburg/Fr 2016; Co-B: Yves Verbraeken; Jacques Boon; K: Philippe Guilbert; M: Pink Martini; 90 Minuten); zuletzt war es für sie, in „Elle“, mächtig anstrengend, hier kann sie sich jetzt etwas legere Luft gönnen: Die Rede ist von der stets unwiderstehlichen ISABELLE HUPPERT, der Grand Dame des französischen Kinos.

Ihre Liliane Cheverny ist eine Ex-Diva aus dem Showgeschäft, die vor fast 30 Jahren – als Sängerin Laura – den „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ gewonnen hätte, doch ihr Titel „Souvernir“, so auch der Originaltitel des Films, landete nur auf Platz 2; hinter ABBA („Waterloo“). Heute arbeitet sie anonym und wortlos, in einer Pastetenfabrik; sortiert dort die Portionen mit Grünzeug und getrockneten Früchten. Nach Feierabend sehen wir sie zuhause alleine vor dem Fernseher sitzen, Alkohol trinkend. Eine tägliche Routine-Ödnis, mit der sie sich anscheinend abgefunden hat. Aber dann erkennt sie ein Aushilfskollege, der auf dem Sprung ist, Profi-Boxer zu werden. Der 21jährige schätzt sie, bedrängt sie und kriegt sie „wach“. Im Märchen heißt es: „küsst sie wach“. Und schaft es tatsächlich, sie noch einmal zur Musik und auf die Bühne zurückzuholen. Erst bescheiden, dann immer umfangreicher und größer. Jean (KÉVIN AZAIS) wird ihr Manager und Liebhaber. Natürlich sind Konflikte vorprogrammiert, und dies nicht nur, aber auch durch den Altersunterschied der Beiden. Motto: Sie ist abgeklärt, erfahren, aber „neugierig“ geworden; er glaubt an sie mit all seiner Unbekümmertheit und Zuneigung.

Sie singt diesmal sogar. Wunderbar altmodisch ihre Interpretation von Pink Martinis „Joli garcon“. In Stil und Ausdruck: eine formidable Bewegung. Mit viel Retro-Charme. „Ein Chanson für dich“ ist ein charmanter Leckerbissen MIT der immer-großen ISABELLE HUPPERT, deren jugendlicher Partner Kévin Azais als stürmischer Naivling angenehm mithält. IHR aber gehört die Bühne, wenngleich diese hier auch ein bisschen „schmal“ ausfällt: eine sympathische Liebelei als musischer Appetithappen für Huppert-Liebhaber (= 3 PÖNIs).