Doctor Strange

„DOCTOR STRANGE“ von Scott Derrickson (Co-B + R; USA 2015/2016; Co-B: C. Robert Cargill, Jon Spaihts; nach den Charakteren der gleichn. Marvel-Comic-Reihe; K: Ben Davis; M: Michael Giacchino; 115 Minuten); …und noch’n MARVEL-Comic. Übrigens: der 14. Streich. Aus dem hauseigenen Marvel-Film-Imperium. Nach den Adaptionen mit Superhelden wie „Spider-Man“; „Blade“; „Hulk“ oder „Iron Man“ sowie Gruppenformationen von „Avengers“ bis „X-Men“ nun der Doktor-Neuling. Der auf dem Comic-Papier erstmals im Juli 1963 auftauchte (in der Ausgabe 110 von „Strange Tales“). 1978 gab es eine US-TV-Verfilmung des Stoffes (Regie: Philip DeGuere; als Dr. Strange: Peter Hooten), die im März 1986 hierzulande direkt auf VHS fürs Heimkino herauskam.

Der aktuelle Film ist teurer Hokuspokus. Dr. Stephen Strange (BENEDICT CUMBERBATCH), ein angesagter, weltberühmter, aber auch egozentrischer Neurochirurg („Dr. House“ lässt aus der Ferne arrogant grüßen), kann nach einem schweren Autounfall seine Hände nicht mehr „gebrauchen“. Doch der Ärzte-Gott will dies nicht akzeptieren. Weil ihm die klassische Medizin nicht zu helfen vermag, sucht er Heilung an einem ungewöhnlichen Ort im Fernen Osten. Dort, am geheimnisvollen Kamar-Taj im Himalaja, trifft er nicht nur auf „Die magische Älteste“ (TILDA SWINTON, mit Glatze), sondern auch auf spirituelle Hilfe. Was so viel bedeutet wie: Strange kriegt nicht nur seine Hände „komplett“ wieder, sondern auch Einblicke in Dimensionen einer anderen Welt. Wo ein abtrünniger Schüler der Meisterin, Kaecilius (MADS MIKKELSEN), herrscht, der besessen davon ist, dass magische Fähigkeiten der Schlüssel zu einem besseren Leben sind. Deswegen versucht er mit Gewalt – gemeinsam mit seinen Anhängern, den Zeloten – unsere Realität mit den geheimnisvollen Kräften der anderen Dimension zu verschmelzen. Kaecilius empfindet die Endlichkeit, also die Grenzen menschlicher Existenz, also die Sterblichkeit, als „Beleidigung“ und lehnt sie ab. Ist deshalb eine Verbindung mit einem transdimensionalen bösen „Über“ eingegangen. Motto: Unsere Welt soll ihrer Zeitlichkeit beraubt und vernichtet werden.

Da passt es vortrefflich, dass der Doktor nicht nur geheilt, sondern gleich auch zu einem „Obersten Zauberer“ trainiert wird. Der es mit dem fiesen Kaecilius aufnehmen soll. Und dann auch kann. Schließlich geht es hier um unsere weltliche Ordnung, die nicht in „falsche Herrschaftshände“ fallen darf. Die es zu beschützen und zu bewahren gilt. Mit ihm nun als neuen Superhelden an vorderster Kampf-Front. Was für Strange, die bisherige Nr.1 „nur“ am OP-Tisch, zunächst reichlich gewöhnungsbedürftig ist.

1.) Die Geschichte wie gehabt. Die Erde ist mal wieder in ihrer Existenz bedroht, also muss ein bis dato „unbescholtener Bürger“ ausgemacht werden, um selbige vor dem Untergang zu bewahren. Dieser neue Typ tickt ebenso exzentrisch wie genial. Wie zum Beispiel „Iron Man“ oder „Superman“ auch. Und kann, nachdem er mit „speziellen Kräften“ ausgestattet ist, dem Erzfeind „auf Augenhöhe“ gegenübertreten.

2.) Die Spezialeffekte sind teilweise wirklich gigantisch. Absolut imponierend. Schon wieder eine Trick-Nummer beeindruckender als alle bisherigen. Sozusagen: „Inception“ (s. Kino-KRITIK) erweitert. Wenn Welten auf den Kopf gestellt und dutzendfach ganze Häuser gefaltet werden, um dann rückwärts wieder in den alten Zustand gebracht zu werden. Wie Hongkong. Visuell einfach irre. Phantastisch. Zum Staunen toll.

3.) BENEDICT CUMBERBATCH, unser immer „Sherlock“ (Holmes; in der gleichnamigen überragenden britischen TV-Serie), der so wunderbar ausgestattet ist mit einer stimmungs- wie schwungvollen „Shakespeare“-Stimme (= wir sahen den Film im Original), kann den Eindruck nicht verwischen, hier eine Pop-Rolle nur zu bedienen, sie nicht  aber – wie bei „Sherlock“ oder wie bei seiner überragenden Hauptrolle im Kinofilm „The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben“ – auch Charakter-prickelnd zu präsentieren. Benedict Cumberbatch („Ich habe mit einer Form von Power-Yoga an meiner Beweglichkeit und Balance gearbeitet“/“TV Digital“) tritt wie ein fehlbesetzter intellektueller Geist mitten von lauter nett-plumpen Geschehnissen und ebensolchen Figuren auf. Motto: Lasst mich doch mitspielen. Und wenn er dann beim Backe-Backe-Kuchen-Comic-Spiel mitmachen darf…, na ja. Manchmal funkeln ja seine beliebten („britischen“) Ironie-Fetzen durch, der Gesamteindruck aber: Nö-Benedict. Ebenso ziemlich blass sieht es auch bei prominenten Mitstreitern aus wie bei RACHEL ADAMS (als Freundin Christine Palmer), CHIWETEL EJIOFOR (als Magier Karl Mordo) und TILDA SWINTON („Michael Clayton“) als Magier-Chefin.

Fazit: Leidlich atmosphärischer Spaß-Radau. Die Augen werden opulent gefüllt, der Themen- und Inhalts-Rest besitzt viel heiße Luft. Mit reichlich Hau-Drauf-Pathos, routinierten Fantasy-Kinkerlitzchen, mystischen Hängern. Diese neue Marvel-Comic-Verfilmung bietet ein nur begrenztes Vergnügen (= 3 PÖNIs).