CHURCHILL

„CHURCHILL“ von Jonathan Teplitzky (GB 2016; B: Alex von Tunzelmann; K: David Higgs; M: Lorne Balfe; 98 Minuten); im Nachspann steht: „Er wird häufig als größter Brite aller Zeiten bezeichnet“. Als wir ihn HIER kennenlernen, macht er erst einmal einen gegenteiligen Eindruck. Die Rede ist von Sir Winston Churchill (30. November 1874 – 24. Januar 1965), einem der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. Er war von 1940 bis 1945 und von 1951 bis 1955 Premierminister. Der Spielfilm mit seinem Namen als Titel setzt Anfang Juni 1944 ein. Die Alliierten, US-General Dwight D. Eisenhauer (JOHN SLATTERY) und der britische General Bernard Montgomery (JULIAN WADHAM), haben die „Operation Overlord“ beschlossen. Die Invasion in der Normandie. Churchill ist dagegen; befürchtet ein Scheitern und viele unschuldige Tote; ihn quälen grausame Erinnerungen an den Ersten Weltkrieg, als die Landung alliierter Streitkräfte bei Gallipoli in der Türkei zehntausende Opfer in den eigenen Reihen forderte und er, als Erster Lord der Admiralität, 1915 zum Rückzug gezwungen war. Zudem fühlt er sich in seinem Stolz verletzt, nicht mehr als Militär-Stratege „gefragt“ zu sein. Einzig seine kluge Ehefrau, Clementine (MIRANDA RICHARDSON), vermag ihm in diesen Stunden verbal Paroli zu bieten. Churchill ist außer sich und bittet Seine Majestät um Unterstützung.

Ich mag Schauspieler-Filme. Natürlich mit herausragenden SCHAUSPIELER-Auftritten. Dies ist wieder solch ein „Olymp-Abend“. Bühne frei für: BRIAN COX. Geboren am 1. Juni 1946 im schottischen Dundee. Er war der erste „Hannibal Lecter“ der Filmgeschichte (in „Blutmond – Manhunter“ 1986)); er war zum Beispiel auch der korrupte CIA-Agent Ward Abott und Matt Damon-Gegenspieler in den Streifen „Die Bourne Identität“ (2002) und „Die Bourne Verschwörung“ (2004). Zuletzt trat er in dem wenig beachteten Horror-Fiction-Drama „Das Morgan Projekt“ auf. Brian Cox war in (sehr) vielen Filmen „vertreten“, als interessanter Fiesling (König Agamemnon in „Troja“/2004); als Reichsmarschall Hermann Göring in „Nürnberg – Im Namen der Menschlichkeit“ (2000); als Pädophiler in „L.I.E. – Long Island Expressway“/2001), hier aber vermag er seine große sensible künstlerische Kraft in Gänze auszubreiten. Als jähzorniger, sturer Churchill-Charakter, der sich in diesen Momenten nicht nur nicht unter Kontrolle, sondern offensichtlich auch seinen diplomatischen Verstand weggesoffen hat, ist Brian Cox unwiderstehlich präsent. 1:1 cholerisch und verletzlich zugleich. IAN COX hat sich mit diesem Part viel Ruhm verdient. Ebenso brillant: MIRANDA RICHARDSON, populär geworden durch ihren Part als Skandalreporterin „Rita Kimmhorn“ in zwei Harry Potter-Filmen („…und der Feuerkelch“/2005 sowie „…und die Heiligtümer des Todes – Teil 1″/2010), hier als selbstbewusste, souveräne, ihrem ausrastenden Ehemann schon mal eine Backpfeife versetzende Ratgeber-Ehefrau Clementine.

„CHURCHILL“ ist ein faszinierender Spannungsfilm über eine historische „Über“-Persönlichkeit; ist ein emotionaler Kopf-Genuss (= 4 PÖNIs).