Interview „Das Recht der Tiere 2013“

Artikel aus der Zeitschrift „Das Recht der Tiere“, herausgegeben vom bund gegen missbrauch der tiere e.V.; Oktober 2013

Tierschutz ist Lebensschutz

Wie aus vielen einzelnen Tropfen ein Ozean wird

Der Filmkritiker Hans-Ulrich Pönack ist einer der großen Förderer des bmt in Berlin. Seine Leidenschaft gehört dem Schauspiel vor der Kamera – doch seine Liebe den Tieren. Was der Tierschutz ihm bedeutet, warum der Mensch seine Lebensgrundlagen zerstört, wenn er Tiere nicht achtet, ihnen die Würde nimmt und welche Entwicklungen in der Tierschutzarbeit Hoffnungen und Mut machen, erklärt er im folgenden Interview.

RdT: Welchen Stellenwert nimmt der Tierschutz in ihrem Leben ein?

Hans-Ulrich Pönack: Tierschutz ist Lebensschutz. Tiere sind „genauso“ Lebewesen wie wir. Besitzen eine Seele, können ebenso leiden wie wir, sind allerdings „freundschaftlicher“ miteinander als der Mensch untereinander.
Wenn wir mit d e n Wesen, mit denen wir auf diesem Planeten zusammenleben, also wenn wir mit den Tieren nicht gleichrangig wie mit Menschen umgehen und zusammenleben – respektvoll, in Würde, in Freundschaft und Achtung – zerstören wir nicht nur unser aller Gemeinwesen, sondern auch die Lebensbedingungen, letztlich die (Über-) Lebensmöglichkeiten auf der Erde für uns. Tiere bilden und sind ein wichtiger Bestandteil für unser Existieren. Sei es zum Erhalt der Natur, sei es als gleichberechtigte Lebewesen, sei es als Nahrung. Deshalb gibt es ja so viele Brandherde überall dort, wo der Mensch mit seinen tierischen Nachbarn nicht im Einklang, sondern in Ausbeutung, Ausnutzung und Zerstörung lebt.
Die aktuelle Bienen-Diskussion ist ein gutes Beispiel dafür, wie notwendig es für den Menschen ist, dass diese Tiere weiterhin in großen Mengen existieren. Ohne Bienen ist kein menschliches Überleben möglich. Und dies gilt für so viele tierische Arten. Und Menschenbegleiter. Die für unser Da-Sein wichtig, notwendig, gut, also seelenvoll sind. Tierschutz ist menschlicher Sinn.

RdT: Sie fördern den bmt sehr großzügig durch regelmäßige Geldzuwendungen. Sind Sie der Auffassung, dass Menschen, deren Existenz finanziell gesichert ist, eine moralische Verpflichtung haben, bedürftigen Menschen oder Tieren zu helfen?

Hans-Ulrich Pönack: Eigentlich ja. Eigentlich, weil ich den Begriff „Verpflichtung“ nicht mag. Hat etwas mit Zwang zu tun. Den ich grundsätzlich ablehne. Dennoch, natürlich: Es gibt viele in diesem Land, die viel haben. Besitzen. Verdienen. Die es sich leisten können und sollten, nachweislich kompetente Organisationen – wie den bmt – bei ihrer verdienstvollen, humanen Tierschutzarbeit zu unterstützen. Ich veranstalte jährlich regelmäßig Lebenswegbegleiter-Feten, bei denen ich auf gar keinen Fall etwas geschenkt haben möchte, sondern um bmt-Spenden bitte. Viele sind „damit“ sehr zufrieden, entbindet es sie doch von der (mühseligen) Verpflichtung, „irgendwas“ schenken, mitbringen zu müssen. Zum Nachahmen dringend empfohlen. Ein guter Zweck, der viel Sinn beinhaltet und Spaß und Befriedigung erreicht.

RdT: Berlins Stadtbären*), Missmanagement im Zoo und Tierpark, Kutschpferde, Tauben-Problematik, herrenlose Katzen – verpasst der Regierende Bürgermeister von Berlin die Chance, die Hauptstadt im Tierschutz voranzubringen?

Hans-Ulrich Pönack: Immer alles auf den „Regierenden“ zu schieben…, weiß nicht. Natürlich gibt es – immer – viel in Sachen Natur, Tierschutz, Tierhilfe zu tun. Der Stellenwert DAFÜR sollte natürlich auch in Berlin immer hochgehalten und immer mit „vorne“ in der politischen Liste unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens stehen. Aber ich sehe auch, dass – gerade in Berlin – ein großer Zuspruch in Sachen TIERE in der Bevölkerung besteht. Sei es im Umgang mit ihnen, sei es der Einsatz für ihren Schutz, sei es in Sachen riesiger Zuneigung. Ich kenne zum Beispiel nur wenige Leute, die Tiere nicht mögen. Und an deren „gutgehender“ Existenz nicht interessiert sind. Es sollten sich die seriösen Tierschutzvereine, Organisationen, Freundeskreise etc., mehr in der Öffentlichkeit „blicken“ lassen, bemerkbar machen. Vielleicht auch zusammentun. Eine Art „DGB“ des Tierschutzes gründen. Denn: (Teure) Medien-Arbeit zählt heute gewichtig. Mit andauernden Infos und „gewichtigen“ Bildern. Ist absolut notwendiger denn je. Um den Druck bei den „Entscheidern“ aufzubauen, zu erhöhen, zu erhalten.

RdT: „Tiere stehen für Sie absolut gleichberechtigt neben Menschen“, haben Sie einmal gesagt. Gibt es überhaupt einen Bereich, in dem Menschen mit Tieren umgehen, in dem Ihre Vision auch nur ansatzweise erreicht wurde?

Hans-Ulrich Pönack: Ja. Ich denke an die Tanz-Bären aus Rumänien, denen geholfen wurde. Ich denke an die vielen armen Kreaturen, die inzwischen von „reicheren“ Europa-Ländern aus den Tötungsstationen von europäischen Nachbarn befreit werden, damit sie (hier besser) weiterleben können. Ich denke an unsere mühevolle, aber wirkungsvolle bmt-Arbeit, die täglich, wöchentlich, monatlich, jährlich seit Jahrzehnten Tieren geholfen hat und hilft.
Diese Kleinstaktivitäten sind es, die wie viele Wassertropfen schließlich einen Bach, Fluss, ein Meer oder gar einen Ozean ergeben. Die Vision allerdings, dass Tierschutz eines Tages „beendet“ sein kann, habe ich nicht. Dazu sind die regionalen Verhältnisse viel zu unterschiedlich. Und dafür ist der Mensch oft noch viel zu wenig sensibilisiert. In und mit dem tierischen Umgang. Und in und mit seinem Bewusstsein. Um es höflich zu formulieren.

RdT: Ihr Traum ist ein zweites „Gut Aiderbichl“. Wo würden Sie solch‘ ein wundervolles Refugium für Tiere aufbauen – und wovon hängt seine Realisierung ab?

Hans-Ulrich Pönack: Natürlich vom Geld. Ich würde gerne „Ein Heim für Tiere“ an der Grenze zwischen Berlin und Brandenburg aufbauen, wo Tiere einfach und unbürokratisch wie unkompliziert abgegeben werden können. Ohne Schuldkomplexe. Seitdem ich mitbekommen habe, wie auf der Autobahn zu Sommer-Ferienbeginn aus einem fahrenden Auto eine schwangere Häsin herausgeworfen wurde, ist mir „danach“. Bedingung wäre: Feste Tierpfleger, eine feste Bürokratie sowie fest angestellte Tierärzte, die ständig tarif- rechtlich korrekt bezahlt werden. Keine Selbstausbeutung also, die dann möglicherweise aus dem (Finanz- wie Existenz-) Ruder läuft. Träume sind immer erlaubt, nicht wahr???

RdT: Bitte erzählen Sie noch, wie Ihre beiden Katzen Sie um ihre samtigen Pfötchen wickeln.

Hans-Ulrich Pönack: Seit meine zwei Ragdoll-Katzen (Fridolin + Sara) eingeschläfert werden mussten, fühlte ich mich in der katzengerechten Wohnung unter dem Dach (mit großer Terrasse) nicht mehr so wohl. Sah im letzten September in der WDR-Sendung „Tiere suchen ein Zuhause“ (nun leider nicht mehr mit der großartigen Ur-Moderatorin Dr. Claudia Ludwig) als Notfälle zwei kastrierte, geimpfte, gechipte Main Coons, 4 und 5 Jahre alt, und wusste, DAS bzw. DIE sind die Nachfolger von meinen beiden Ragdoll-Lieblingen, die rund 17 Jahre bei bzw. mit mir lebten. Gesehen, gedacht, die Abholung aus Köln (von der Pflegestelle) in Freundes- Auftrag gegeben.

Am 26. September zogen Paul und Klärchen bei mir ein. Diese herrlichen Hunde-Katzen. Es sind zwei wirkliche sanfte, freundliche, schmusige wie selbstbewusste Schätze. Die natürlich schnell „ihr Reglement“ eingeführt haben: Da ich als Journalist zu unterschiedlichen Zeiten schlafe, arbeite und Zuhause bin, „empfehlen“ sie mir gerne „ihren Lebens-, also Zeit-Rhythmus“, der natürlich mit meinen eigenen Zeitvorstellungen kollidiert. Raten Sie mal, wer dabei gewinnt???…, ich jedenfalls habe gegen deren Charme-Offensiven nie eine echte Chance. Wenn sie mich täglich nachts „auf ihre Wünsche“ „aufmerksam“ machen. Egal: Diese beiden neuen Samtpfoten haben im Nu Herz und Seele erobert. Wir sind ein Prima-Team hier. Ich bin vernarrt in meine Maine Coons. Und sie ihn mich. Was für ein tolles Zusammensein für UNS ALLE!

Interview: Claudia Lotz
Fotos: Hans-Ulrich Pönack, Mario Müller

*) Die 27 Jahre alte Bärin Maxi verstarb in der Nacht zum 23. August.
Der bmt setzt sich weiter dafür ein, dass die nach dem Tod ihrer Tochter vereinsamte Bärin Schnute (32) in einen Wildpark umgesiedelt wird.

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