BATTLE OF THE SEXES – GEGEN JEDE REGEL

„BATTLE OF THE SEXES – GEGEN JEDE REGEL“ von Jonathan Dayton und Valerie Fanis (USA 2016; B: Simon Beaufoy; K: Linus Sandgren; M: Nicholas Britell; 121 Minuten); schon ihr Spielfilm-Debüt war 2006 ein einziger Triumph: Little Miss Sunshine“ (s. Kino-KRITIK), damals schon als Onkel Frank mit-dabei: Steve Carell. Jetzt (erst) legt das filmende Ehepaar Jonathan Dayton & Valerie Faris ebenso grandios wie höchst unterhaltsam nach. Mit einem legendären Tennis-Match, das damals zum Duell der Geschlechter hochstilisiert wurde. Das Drehbuch des britischen „Oscar“-Preisträgers Simon Beaufoy („Slumdog Millionär“) taucht mitten hinein in die aktuelle Geschlechter-Debatte um Sexismus, Chauvinismus  und Machtmissbrauch, spielt aber anno 1970. Damals empörte sich die amerikanische Spitzenprofi-Tennisspielerin Billie Jean King und Nr.1 der weiblichen Weltrangliste  (EMMA STONE) darüber, dass den Tennis-Männern bei Turnieren das Achtfache an Gewinn-Honoraren mehr bezahlt wurde als Frauen. Ganz klar und als richtig, bestätigt ihr der hochrangige Verbandsfunktionär Jack Kramer (BILL PULLMAN) die herablassende Handhabung, schließlich seien Frauen physisch schwächer, längst nicht so leistungsstark im Vergleich zu Männern, also auch nicht so „begehrt“ in der Tennis-Fan-Gemeinde, und im Übrigen: Dies sei eben Natur-gegeben. Prompt treten die stärksten Spielerinnen dieser Dekade aus dem Verband aus, gründen einen eigenen und machen sich zusammen auf den Weg durch die Turnier-Szene.

Der ehemalige Wimbledon-Champion Bobby Riggs (STEVE CARRELL), ist über 50 und ein notorischer Spieler. Er wittert seine Chance und fordert die soeben die Nr.1 gewordene King-Rivalin Margaret Court (Jessica McNamee) zu einem öffentlichen Duell. Und demütigt sie auf dem Center-Court. Billie Jean King ist angewidert und fordert ihrerseits den Kerl, der gerade 100.000 Preisgeld-Dollar für das „nächste Muttertagsmassaker“ ausgesetzt hat, zu einem Duell. Bobby, den seine klügere Ehefrau (ELISABETH SHUE) gerade aus dem luxuriösen Haus geschmissen hat, ist begeistert. Sieht seine Gewinn- = Geld-Chance und heizt die Begegnung mit Sprüchen wie „Ich liebe Frauen – im Bett und in der Küche“ oder: „Ich sage nicht, dass Frauen auf dem Tennisplatz nichts zu suchen haben, wer würde denn sonst die Bälle aufsammeln?“ süffisant-großmäulig an.

Diese Begegnung gab es tatsächlich und gilt heute als legendär: Am 20. September 1973 waren über 30.000 Zuschauer im Houston Astrodome in Texas und rund 90 Millionen TV-Zuschauern mit-dabei, als die 29jährige auf den 55jährigen traf.

Ein unglaublich herausragender Schauspieler-Film. Dem es nicht nur um die aufkommende Emanzipation im Tennis-Sport-Business geht, sondern auch um eine ehrgeizige, willensstarke und – in dieser Phase – auch emotionell – angespannte Billie Jean King. Die verheiratet ist, während sie eine Liaison mit einer jungen Stylistin beginnt. Was bei Bekannt-Werden damals zu einem Skandal geführt hätte. Der Kampf der Billie Jean King um Gleichberechtigung und Lebens-Glück wird also nicht nur auf dem Sportplatz ausgetragen.

EMMA STONE, 29, im Februar erst mit einem „Oscar“ für ihren Part in „La La Land“ ausgezeichnet, ist als eisern entschlossene Profi-Kämpferin und sensible Aktivistin eine Wucht. Wie sie äußerlich, mit der glatt-schwarzen Pony-Frisur und der berühmten feinrandigen silbernen Brille, und innerlich- porentief, mit viel Seelen-Empathie, in ihre faszinierende Spielerin eintaucht, ist erneut aller „Oscar“-Ehren wert. Ebenso herausragend ist ihr Gegenüber, ist STEVE CARELL als durchtriebener Wüterich und süffisanter Großkotz-Partner. Carell, den man lange Jahre nur als interessanten, komischen Kauz wahrgenommen hat („Get Smart“), gibt hier seinem überragenden Charakter-Affen-Mimen richtig Zucker: Er offenbart sich als männliche Chauvi-Drecksau, besitzt dabei aber alle Charme-Allüren eines spannenden Rivalen. Carell dringt mit diesem Zocker-Typen auf eine ähnliche Charakter-Wellenlänge, mit der er schon als schizophrener reicher Ringer-Mäzen in „Foxcatcher“ (s. Heimkino-KRITIK) überzeugte und eine „Golden Globe“- wie „Oscar“-Nominierung einheimste. Eigentlich sollte er auch mit diesem Part in die nächste Auswahl als „Bester Schauspieler“ gelangen. So brillant „unanständig“ wuselt er hier begeisternd herum.

„BATTLE OF THE SEXES – GEGEN JEDE REGEL“, der deutsche Titel hätte auch gereicht, entstanden mit einem Budget von 25 Millionen Dollar, zählt zu den filmischen Jahres-Entdeckungen und bedarf der unbedingten Empfehlung als Muss-Abenteuer für die anspruchsvollen Arthaus-Spielstätten (= 4 PÖNIs).