BARRY SEAL – ONLY IN AMERICA

„BARRY SEAL – ONLY IN AMERICA“ von Doug Liman (USA 2015; B: Gary Spinelli; K: César Charlone; M: Christophe Beck; 115 Minuten); ein Arschloch ist ein Arschloch ist ein Arschloch.

Name: Adler Berriman Seal, bekannt wurde er als Barry Seal (16.7.1939 – 19.2.1986). Beruf: Drogen- und Waffenschmuggler. Ab Ende der 1970er Jahre flog er Kokain im Auftrag mittel- und südamerikanischer Drogenhändler in die USA. Barry Seal „gilt als einer der größten und erfolgreichsten Drogenschmuggler in der Geschichte. Der Straßenverkaufswert der von ihm importierten Drogen wird offiziell auf drei bis fünf Milliarden US-Dollar geschätzt“ („Wikipedia“).

Ein Arschloch ist ein Arschloch, bleibt ein Arschloch. Ein neuer Hollywood-Thriller „mit viel Komödie“ bemüht sich jetzt „biographisch“ um diese Drecks-Person. Um diesen – an sich doch – „netten Kriminellen“.

Der Regisseur DOUG LIMAN, New Yorker des Jahrgangs 1965, hat bislang sehr unterschiedliche Qualitäts-Movies inszeniert: „Die Bourne Identität“ war 2002 spannende Popcorn-Unterhaltung (s. Kino-KRITIK). Um das Paar Angelina Jolie & Brad Pitt spinnte sich 2005 der Agenten-Jux „Mr. & Mrs. Smith“ (s. Kino-KRITIK). 2010 überzeugte der mit Sean Penn und Naomi Watts hochkarätig besetzte Polit-Streifen „Fair Game“ (s. Kino-KRITIK). Dann das Grausen, als 2014 der Ami-Schrott „Edge of Tomorrow“ – mit Tom Cruise in der Hauptrolle – in die hiesigen Lichtspielhäuser gelangte: ein grober Militaristen-Mist. Marke: die tolle einheimische Militär-Industrie präsentiert sich großkotzig in 3 D; eklig (0 PÖNIs / s. Kino-KRITIK).

Nun eine neue Wut-Kritik-Rede auf einen Doug Liman-Film-Müll, denn „Barry Seal – Only in America“, Originaltitel: „America Made“, ist nichts weiter als die mit fürchterlich belästigender Wackel-Kamera entstandene Hymne auf einen – angeblich legendären wie hochinteressanten – Ami-Verbrecher. Der ist eigentlich ganz okay, signalisieren die Bilder, jedenfalls lächelt er viel, kann aber auch pfiffig. Von wegen: der amerikanische Traum. Den erfülle ich mir selbst. Indem ich all die viel Geld bringenden Deals mache, die zwar nicht legal, aber doch irgendwie von der CIA auch „gebilligt“ sind. Oder so ähnlich. Also düst der freundliche Kerl und Familienvater (TOM CRUISE) fröhlich-angespannt und taff durch die nord- und südamerikanische Gegend, um riskante wie hochprofitable Geschäfte abzuwickeln. Auf der prominenten Gegenseite tauchen „gefeierte“ Macho-Gangster-Hochkaräter wie Pablo Escobar & Konsorten auf sowie die Contra-Guerilla im instabilen Nicaragua und auch der über die zunehmenden Drogen-Fluten in sein Land Rede-„wütende“ Präsident Ronald Reagan. Man gibt sich lässig, labert viel, macht auf aufgeregt, präsentiert sich Macho-ober-cool, ist bisweilen nervös, aber der flotte Barry, der sich als „toller Typ“ sieht, sorgt schon, dass die miese Show am Leben bleibt. Manchmal strampelt Barrys neurotischer CIA-Verbindungstyp Monty in das Geschehen (DOMHNALL GLEESON), um irgendwie und reichlich lächerlich einzugreifen, um „offiziell“ irgendwie mitzuspielen, und um dem lieben Barry zu sagen, dass er sich doch auf der Seite „der Guten“ befindet, also durchaus weitermachen soll, aber diese politische Verrücktheit wirkt nur läppisch und beknackt. Wie überhaupt dieses Geschehen nie stringent offenbart wird, sondern als eine Art Häppchen-Mitschnitt entwickelt ist: Mal hier Drogen aus dem Flugzeug schmeißen, mal dort die attraktive Gattin beruhigen und beglücken (SARAH WRIGHT als Lucy Seal); mal Freude hier, mal aggressives Schreien und etwas Schießen dort. Immer angedeutet-gemischt mit der damaligen illegalen US-Weltpolizei-Politik. Als dann die Iran-Contra-Affäre ansteht, beginnen sämtliche Fundamente zu bröckeln. Auseinander zu driften. Auch für Barry Seal.

Tom Cruise, der offensichtlich mal was anderes zeigen wollte als immer nur die Verhauer Jack Reacher oder Ethan Hunt („Mission Impossible“) zu geben, ist entsetzlich schlecht. Farblos. Lächerlich. Als Barry Seal setzt er fade seine Lieutenant Peter „Maverick“ Mitchel-Type von 1986 spät-pubertär fort („Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel“): Hoppla, jetzt komm‘ ich. In und mit dieser aufschneiderischen Lächel-Art. Was bin ich, Jahrgang 1962,  doch immer noch für ’ne coole Socke.

Ach geht, besser: bleibt mir doch weg mit diesem Mist. Von wegen „eine besondere amerikanische Gestalt“: Barry Seal, diese Figur und dieser Film-Wüstling , sind lediglich und bloß eklige Maden im Lügen- und Dollar-Speck-Dreck der US-Geschichte. Dies dermaßen harmlos, unkritisch und als doch erfreuliche Entertainment-Kino-Mucke anzupreisen, ist widerlich, doof, zudem nur langweilend.

Die hiesige Filmbewertungsstelle hat diesem „filmischen Glücksgriff“, diesem „brillant gespielten und inszenierten Unterhaltungskino“, das Prädikat „Besonders wertvoll“ verliehen. Gute Nacht, Filmkultur Deutschland (= 0 PÖNIs).