Arrival Kritik

ARRIVAL“ von Denis Villeneuve (USA 2015; B: Eric Heisserer; nach der Kurzgeschichte „Story of your Life“ von Ted Chiang/1998; K: Bradford Young; M: Jóhann Jóhannsson; 117 Minuten; Start D: 24.11.2016); dass ein Regisseur ununterbrochen weit überdurchschnittliche Spielfilme herzustellen vermag, ist schon außergewöhnlich. Der kanadische Filmemacher DENIS VILLENEUVE, 49, hat dies seit 2010 fertig gebracht: „Die Frau die singt – Incendies“ (s. Kino-KRITIK); „Prisoners“ (s. Kino-KRITIK); „Enemy“ (2013); sowie „Sicario“ (s. Kino-KRITIK) waren bzw. sind hervorragende Spannungswerke.

„ARRIVAL“ folgt dieser Qualität. Wenn man mitkriegt, dass es sich um „ALIENS“ handelt, die mit-auftreten, sind die Kino-Gedanken automatisch standardisiert: Aha, Außerirdische, DIE wollen bestimmt unseren Planeten angreifen; UNS auslöschen; Krieg, Zerstörung sind die unweigerliche Folgen. Alarm-Stimmung ist annonciert. Und es piept ja auch gleich. Die Handys „brüllen“. Was ist los? Studenten bitten ihre Dozentin Dr. Louise Banks (AMY ADAMS), den Fernseher einzustellen. Irgendetwas muss doch passiert sein. In der Tat: zwölf mysteriöse, eiförmig aussehende Riesen-Raumschiffe sind zeitgleich in unterschiedlichen Regionen der Welt gelandet. Auch in Montana. Und – vorerst jedenfalls, geschieht nichts „weiter“. Die Raumschiffe stehen einfach da und drinnen scheint „jemand“ zu warten. Aber auf was? Oder wen? Wollen sie angreifen? Oder sind sie in friedlicher Mission unterwegs? Um eine globale Paranoia und einen Krieg zu vermeiden, soll ein US-Elite-Team um die Linguistin Dr. Louise Banks und den Mathematiker Ian Donnelly (JEREMY RENNER) Kontakt herstellen. Ihr militärischer Vorgesetzter ist Colonel Weber (FOREST WHITAKER). Gemeinsam benötigen sie bald Lösungen, denn die zwölf Staaten, wo diese „Eier“ angekommen sind, kooperieren nicht. Einige – wie China, Russland – sind dafür, diese Wesen unverzüglich zu eliminieren.

Ein Militär-Thriller. Als humanes Science-Fiction-Movie. Denis Villeneuve bleibt filmisch „ungeheuerlich“. Interessiert sich NICHT für noch ein neues Effekte- und Lärm-Spektakel, sondern für die Frage: was ist, wenn wir uns erst einmal bemühen, uns mit „Anderen“ zu befassen? Auseinanderzusetzen? Wenn wir erst einmal überhaupt festzustellen bereit sind, wer DIE sind, was DIE wollen und wie möglicherweise eine Verständigung möglich ist?

Natürlich spielen Ängste eine immense Rolle. Denn für Menschen steht Abwehr (durch Töten) immer ganz oben in der Verhaltensliste. Bei möglichen Bedrohungen. Schließlich …und schlimme Erfahrungen…und überhaupt: Ist doch das Bequemste, um vor allem wieder „Ordnung“ im Land und auf der Welt herzustellen. Zumal: Die Bevölkerungen werden unruhiger.

„Aufregungen“ im Kopf. Faszinierende wie erstaunliche Dagegen-Halten-Bilder. Cool bleiben. Zuhören. Mitfiebern. Tatsächlich – erst einmal kein Krieg? „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ war 1977 ein Steven Spielberg-Fiction-Film, in dem ebenfalls Außerirdische friedlichen Kontakt mit der Spezies Mensch auf der Erde suchten. „ARRIVAL“ ist sein filmischer Enkel. Aber – ist „Mensch“ heutzutage überhaupt bereit dafür/dazu?

Nach und nach gelingt es Louise tatsächlich, Kontakt zu den „Kreaturen“, bald „Siebenfüßler“ genannt, aufzunehmen. DIE mit Fuß-Tinte zu kommunizieren verstehen. Doch die Zeit wird eng.

Welch eine meditative Hochspannung. Welch ein furioses Gedanken-Experiment. Welch eine visuelle Opulenz. Welch imponierende emotionale Klangwelten. Was für ein hochinteressanter, brillant-humaner Science-Fiction-Thriller! Der schließlich mit erstaunlichen, überraschenden „Ergebnissen“ hantiert. Twists sagt man wohl neu-deutsch dazu.

AMY ADAMS („American Hustle“) erinnert mit ihren stillen, unaufgeregten Performance als Dr. Louise Banks an den humanen Wissenschaftler Claude Lacombe, den Francois Truffaut einst in „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ so vorzüglich interpretierte.

Das Science-Fiction-Kino imponiert mit einem großartigen Neuzugang, der längst noch nicht ausdiskutiert ist und immer wieder für Interpretationen herhalten wird. Und DENIS VILLENEUVE ist gerade dabei, einen ganz großen Fiction-Sprung zu wagen: 2017 kommt seine neue Vision mit seiner Interpretation von „Blade Runner 2“ ins Kino. Die Spannung darauf ist gewaltig. Die Genre-Ouvertüre dazu, „ARRIVAL“, ist jedenfalls stark gelungen (= 4 ½ PÖNIs).