ALIEN: COVENANT

„ALIEN – COVENANT“ von Ridley Scott (Co-Prod. + R; USA 2016; B: John Logan, Dante Harper; K: Dariusz Wolski; M: Jed Kurzel; 123 Minuten); es gibt unvergessliche Momente (und Motive) in der Filmgeschichte. Unvergessen und ewig in Erinnerung bleiben wird mir das Original, „ALIEN“, das ich Mitte September 1979 in einem Pariser Kino „bibbernd“ erlebte. „Die Show“, mit den Ur-Aliens-Viechern, entstanden aus der sensationellen Phantasie des – dafür mit einem „Oscar“ belobigten – Schweizer Bildhauers und Malers H. R. GIGER (5.2.1940 – 12.5.2014), wird immer im Gedächtnis bleiben. Ebenso wie die legendäre SIGOURNEY WEAVER als Ellen Ripley, die auch in  den drei Folge-Filmen von 1986 (Regie: James Cameron), 1992 (von David Fincher) und 1997 (von Jean-Pierre Jeunet) mit diesen Kreaturen kämpfte und zur ersten wahren Action-Heldin der Kino-Historie mutierte.

Den britischen Produzenten und Regisseur RIDLEY SCOTT, Jahrgang 1937, ließ sein klassisches wie philosophisches Genre-Thema nie los. 2011 schuf der vierfach „Oscar“-nominierte Filmemacher („Thelma und Louise“/1992; „Gladiator“/2001; „Black Hawk Down“/2002 + „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“/2012) mit „PROMETHEUS – Dunkle Zeichen“ (s. Kino-KRITIK) ein Prequel zu SEINEM Thema, und jetzt gibt es davon ein Sequel, also eine Fortsetzung der Vor-Ereignisse zu „Alien“. Es geht also rückwärts weiter, hin zum Original.

Zeit: Das Jahr 2104. Fast zehn Jahre sind seit den Ereignissen von „Prometheus“ vergangen, wo fast die gesamte Mannschaft des gleichnamigen Raumschiffes zu Tode kam. Wir erinnern uns: Einzig Astronautin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und (der Kopf von) Android David (Michael Fassbender) überlebten. Die Menschen sind offensichtlich mit dem Zustand ihres Planeten Erde weiterhin höchst „unzufrieden“ und sowieso mit der Frage dauer-befasst: wer sind wir und vor allem, woher kommen wir; wo befinden sich unsere wahren Ursprünge. Und, natürlich: Wo im All befindet sich ein Ort, an beziehungsweise auf dem wir endgültig und „paradiesisch“ leben können. Das Kolonisierungs-Raumschiff „Covenant“ befindet sich auf dem Weg zu einem solchen Planeten, Origae-6, der sich am Ende der äußersten Galaxis befindet. An Bord: etwa 2000 Kolonisten und über 1400 Embryonen, angeführt von einem weiter entwickelten Androiden namens Walter (MICHAEL FASSBENDER), der dem früheren Cyber-Typen David wie aus dem Gesicht geschnitten aussieht. Sieben Jahre vor der geplanten Ankunft wird das Raumschiff durch einen verheerenden All-Sturm getroffen, die Crew geweckt, während Kapitän Branson dabei ums Leben kommt. Nachdem die gröbsten Schäden repariert sind, vernimmt die Crew einen Funkspruch per Frauenstimme, verbunden mit dem Song „Take Me Home, Country Roads“ von John Denver. Als Herkunft wird ein bisher unbekannter näherer Planet ausgemacht. Also: Den eigentlichen Auftrag erst einmal abbrechen, zumal der Weg dorthin noch mehrere Jahre dauern würde, oder dieses neue All-Eiland ansteuern, das bald erreichbar sein könnte und sich per Scan als noch viel besserer Kolonisierungs-Planet entpuppt? Trotz Widerstände befiehlt der neue Kapitän Oram (BILLY CRUDUP), eben nicht der Sicherste seiner Führungsgattung, dorthin zu fliegen. Mit, wir ahnen es schon, natürlich fatalen Folgen.

Denn dort warten „SIE“ bereits.

Was haben wir: Ein Team, mit dem warm-zu-werden nicht einfach ist. Nicht nur, weil keine „große Namen“  vorhanden sind – abgesehen vom doppelten MICHAEL FASSBENDER, auf den/auf die sich dann alles fokussiert -, sondern weil zum  menschlichen Personal keine identifizierbare Nähe hergestellt wird. Die familiären Beziehungen untereinander bleiben eher gleichgültig. Auch, weil nach dem „jugendfreien“ „Prometheus“-Werk es diesmal hart & trashig zur Sache geht. Natürlich wird die „Bauch-Szene“ aus dem Original (mit „Geburtshelfer“ John Hurt) mehrfach wiederbelebt und schockt recht freundlich, aber die eigentlichen Duelle zwischen dem „simplen“ Homo Sapiens und dieser blutgierigen Alien-Rasse werden sehr effektvoll in Spanungsmotive umgesetzt. Da tobt der Computer-Trick-Kasten in Hard-Core-Laune (im Nachspann werden hunderte von Trick-Experten aufgeführt). Aber: Längst will sich kein „enormer Schrecken“ oder ein voluminöses neues Er-Schrecken einstellen. Und die nun noch „größeren“ Fragen nach Schöpfung & Evolution reißen auch nicht gerade aus dem Denk-Sessel.

„Alien – Covenant“ mutet wie ein hochgezüchtetes B-Movie an, das mehr auf den Respekt vor der klassischen Alien-Horror- Mythologie setzt als auf „furchtbar Schön-Neues“. Wer ist nun wirklich klüger und hat Chancen zum endgültigen Weiter-Leben: Der weiterhin ziemlich be-deppert agierende Mensch oder eigenständige Kunst-Mensch-Produkte mit ihren Alien-Gouvernanten? Und was ist, also war das eigentlich mit diesem menschlichen Massen-Pöbel, der hier nur kurz auftaucht und sogleich ausgelöscht wird? Dies und möglicherweise vieles endgültig Andere sollen wir aus dem nächsten, dem dritten Vor-Film erfahren, den Ridley Scott derzeit plant. 2018 sollen die nächsten Dreharbeiten beginnen („Es kann auch sein, dass Sigourney Weaver zurückkommt. Wir bewegen uns mit der Reihe ja auf den ersten Film zu“/Ridley Scott im „filmecho“-Interview/Ausgabe 18/2017). Vorher aber, ab 5. Oktober 2017, werden wir erst einmal erfahren, was Regisseur Denis Villeneuve aus Ridley Scotts legendärem Ur-Fiction-Klassiker-Knall „Blade Runer“ von 1982 HEUTE gemacht hat: mit „Blade Runner 2049“  (= 3 PÖNIs plus 1/2 für den bewunderungswürdigen Sir Ridley Scott).