A QUIET PLACE

GASTKRITIK von Caroline „Carrie“ Steinkrug

„A QUIET PLACE“ von John Krasinski (Co-B + R; USA 2017; Co-B: Scott Beck; Bryan Woods; K: Charlotte Bruus Christensen; M: Marco Beltrami; 90 Minuten; FSK: ab 16 Jahren); dystopische Filme wie „A Quiet Place“ („Ein stiller Ort“) entstehen aus einer unbändigen Herzblut-Leidenschaft heraus. Und in der Tat, der dritte Regie-Film des Schauspielers JOHN KRASINSKI, 38, unterstreicht, dass das viel benutzte Horror-Thriller-Genre durchaus  weiterentwickelt werden und mit mit originellen Ideen und verblüffenden Einfällen überraschen kann.

Eine apokalyptische Stille liegt über dem Land. Eine erzwungene Ruhe, die das Leben einer ganze Familie sichert: Um Vater Lee (Regisseur John Krasinski), Mutter Evelyn (= seine auch im Leben tatsächliche Ehefrau EMILY BLUNT/“Girl On the Train“; „Sicario“) sowie den Kindern Marcus (Noah Jupe), die taube Regan (Millicent Simmonds) und Beau (Cade Woodward). Seit 89 Tagen haben gefährliche blinde Monster aus dem All die Erde bevölkert. Ihr einziger, aber ungemein übler Orientierungssinn ist ihr extrem gut ausgebildetes Gehör. Was bedeutet: Schon der kleinste Laut kann für Menschen tödlich sein. Eine Familie hat sich „arrangiert“, was so viel bedeutet wie: man muss stets höllisch aufpassen, keine Geräusche zu produzieren. Bloß nicht. Denn sonst…

Die laute Welt, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Töne, Sprachen, Musikalität oder sonstige normale Geräusche sind verschwunden. Mensch muss höllisch aufpassen, will er überleben: Ein herausstehender Nagel auf der Treppe oder die Geburt eines Kindes werden zu lebensbedrohlichen Situationen. Lärmendes Spielzeug lässt die Biester Beute-„aktiv“ werden. Selten ist es im Kinosaal so ruhig; Popcorn-Rascheln out. Horror als Nervenanspannung anstatt als Abschlachte-Fiktion. Adrenalinschübe zuhauf auch auf der Zuschauer-Seite. Währenddessen auf der Leinwand eine eigene tonale Welt existiert. Und für überraschende, verblüffende wie gruselige Wendungen reichlich sorgt.

Im Mittelpunkt: Die auch im realen Leben taube Nachwuchsschauspielerin MILLICENT SIMMONDS als renitenter Teenager Regan und ihr sagenhaft ausdrucksstarkes Gesicht. In das sie alles „packen“, mit dem sie die volle Kanne Emotionen ausdrücken muss. Wie sie das anstellt, ist meisterhaft. In einem Film, der als Originalsprache nicht nur Englisch, sondern auch die US-amerikanische Gebärdensprache angibt. Selten und mutig. Faszinierend und bedrohlich-wirkungsvoll. „A QUIET PLACE“ bietet Horror-Spannung mit viel Ideenreichtum; ist fordernd und erlebbar. Kitzelt nicht zuletzt fürchterlich an unseren eigenen Ohren (= 4 PÖNIs).