Heimkino vom 09.02.2017

Plakat Die gesammelten Peinlichkeiten unserer Eltern in der Reihenfolge ihrer Erstaufführung  IHN kennen wir vor allem als „gutes Gesicht“, sprich sympathischen Player, aus vielen Filmen („Juno“; 2 x Kill The Boss“). Seit 1989 ist er auch als Regisseur aktiv und inszenierte vereinzelt Folgen für verschieden TV-Serien. 2013 schuf JASON BATEMAN, heute 47, seinen imposanten Regie-Erstling „Bad Words“, der hierzulande im Oktober 2014 im Heim-Kino veröffentlicht wurde (s. Heimkino-KRITIK). Sein zweiter Film als Regisseur und Mit-Hauptdarsteller heißt im Original „The Family Fang“ und bekam für seine deutsche Premiere von seinem hiesigen Heimkino-Anbieter einen besonders kuriosen deutschen Titel ummantelt:

DIE GESAMMELTEN PEINLICHKEITEN UNSERER ELTERN IN DER REIHENFOLGE IHRER ERSTAUFFÜHRUNG" von und mit Jason Bateman (USA 2014; Co-Produzent: Jason Bateman; Nicole Kidman; B: David Lindsay-Abaire; nach dem Roman „The Family Fang“ von Kevin Wilson/2011; K: Ken Seng; M: Carter Burwell; 105 Minuten; Heimkino-Veröffentlichung: 09.02.2017).

Solange du Kind bist, hast du keine Chance gegen das, was deine Eltern mit Dir „Lustiges“ anstellen, zu rebellieren. Oder „davon“ auszusteigen. Jedenfalls gilt dies für die sensiblen Geschwister Annie und Baxter Fang (NICOLE KIDMAN & JASON BATEMAN), die zwar heute längst ihre Kinder- und Jugendzeit hinter sich gelassen haben, jedoch immer noch traumatisiert sind. Weil in ihrer Familie es üblich war – und wahrscheinlich noch ist -, dass Kunst & Leben beziehungsweise Leben als Kunst-Produkt eins sind. Ihre Eltern Caleb und Camille (CHRISTOPHER WALKEN & MARYANN PLUNKETT) waren berühmte Avantgarde-Künstler, die für ihre außerordentliche Live-Performance-Aktionen berüchtigt und erfolgreich waren. Und dabei keine Rücksicht auf seelische wie körperliche Befindlichkeiten ihrer mit-eingebundenen Kinder nahmen. Irgendwann volljährig war es denen dann zu viel und sie stiegen aus. Sehr zum Unwillen ihrer „Ereignis-Eltern“.

Doch nun trifft die Mischpoke wieder zusammen. Und aufeinander. Die Erzeuger bereuen gar nichts und sind, im Gegenteil, immer noch sauer, dass sich ihr Nachwuchs einst von „ihrer Kunst“ verabschiedet hat. Man knatscht sich aus, doch Annie und Baxter haben das ungute Gefühl, dass ihre Alten immer noch mit und um sie herum „spielen“. Sozusagen ständig „auftreten“. „Du kannst dich aus der Kunst raushalten, aber die Kunst nicht aus dir“, tönt der exzentrische Papa. Und so müssen „Kind A“ und „Kind B“, wie die Geschwister genannt werden, noch einmal zurück zu ihren Wurzeln, um ihre inneren Dämonen ein für alle Mal besiegen und verabschieden zu können. Doch ihre Alten planen offensichtlich gerade den „finalen Kunst-Stoß“.

Gedanken mit Realitätscharme: Was ist real, was fake? In dieser Familie Fang vermischen sich die Positionen radikal. Der Vater erklärt jedes Handeln zur grotesken, grenzen-losen Live-Kunst, mit immenser (wie ertragreicher) Außen-Wirkung, während ihre Kinder extrem darunter leiden, „kunst-voll“ benutzt zu werden. Was wiederum Teil dieser „Kunst“ sei und deshalb eben dazugehört, meinen die Performer. Dass der Schriftsteller-Sohn sich mit Pillen und die Schauspieler-Tochter sich mit Alkohol „beruhigen“, weil sie sich von ihren Alten immer noch nicht komplett lösen konnten, ist ihnen egal.

Ein süffisanter Film aus dem Produktions-Hause von Nicole Kidman, deren Unternehmen „Blossom Films“ die Rechte an dem „New York Times“-Bestseller von KEVIN WILSON aus dem Jahr 2011 gekauft hat. Dank des hervorragenden Darsteller-Ensembles, mit einem einmal mehr köstlich-überkandidelten CHRISTOPHER WALKEN-Part mittendrin, funktioniert dieses bissige Stück von absurder Komödie über gegenwärtig so angesagten, angezeigten Motive wie: Alternative Fakten treffen auf eine postfaktische Wahrheit.

Eine unterhaltsame Spezi-Film-Verrücktheit, die gut und gerne auch „Die Fake Family Fang“ heißen könnte.

Anbieter: „Tiberius Film“